Hafenplan – S29/11 – Nappedam

Hafenübersicht

Kurzbeschreibung

Ländlicher, kleiner Yachthafen im nördlichen Teil der Egens Vig.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Gäste liegen gleich einlaufend an Steuerbordseite längsseits der nördlichen Mole auf 2,5 m Wassertiefe oder in freien Boxen nach Absprache mit dem Hafenmeister. Ankerplatz: Einen guten Ankerplatz findet man zwischen dem Hafen und der Kalø Schloßruine im Westen der Egens Vig, dort liegen auch einige Mooringbojen des Dänischen Seglerverbandes.

Navigation

Die Ansteuerung des befeuerten Hafens ist Tag und Nacht möglich. Von der bezeichneten Rinne westlich von Vrinners Hoved (rote Leuchttonne Fl(3)R) und eine weitere rote Spierentonne) läuft man durch die Egens Vig mit 033° auf den befeuerten südöstlichen Molenkopf zu.

Versorgung

Bis auf Brötchenbestellung beim Hafenmeister gibt es hier keine Versorgungsmöglichkeiten. Der Hafenservice mit Bunkerstelle, Slip und Mastkran ist hervorragend.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff X
Lebensmittel X
Kran
Werft
Fäkalienentsorgung
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih X
Internetzugang X

Kontakt

Telefon: +45 / 86 37 20 89

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Die Ruine von Kalø ist ein geschichtsträchtiger Anziehungspunkt am Nordeingang der Egens Bucht, der Einblicke in das Burgenleben zur Zeit des Mittelalters liefert und die Phantasie beflügelt. Der Zeitsprung vom Elektronikzeitalter in die Zeit der waffenklirrenden Machtkämpfe von Adligen und Königen gelingt zur frühen Morgenstunde am besten, wenn noch keine Besucher das Bild stören, keine Kameras klicken. Die Frage, wozu solche Anlagen mit immensem Aufwand erbaut wurden, stellt sich schon auf der schmalen, befestigten Landbrücke zur Ruine – dort wo einst schwere Ochsengespanne über die Kopfsteine rumpelten, viele Tonnen von Baumaterial herangekarrt wurden und eine Zugbrücke dafür sorgte, daß ungebetene Gäste keinen Zutritt hatten.

Allein für den Fußweg über den langen Landstreifen benötigt man 20 Minuten. Nach dem Motto, weit genug vom Volk entfernt, um vor Überraschungen sicher zu sein und nah genug dran, um die Steuergelder einzutreiben, ließ König Erik Menved während seiner Regentschaft (1286‑1319) die Burg im Jahre 1314 erbauen, weil er Geld für seine Kriege in Schweden und Mecklenburg brauchte. Nach blutig unterdrückten Revolten der Bauern gegen die Kriegssteuern, versuchte König Menved durch den Bau von drei neuen Königsburgen (Bygholm, Borgvold bei Viborg und Kalø) Unmut im Keim zu ersticken. Aber nur wenige Jahre später mußte König Christoffer II. auf dem Thing in Viborg eine Handfeste zum Abriß dieser Burgen unterschreiben, ehe ihn der Adel 1320 als neuen König anerkannte. Tatsächlich wurde die Burg wenig später abgerissen, wie Grabungen ergeben haben. Wiederum einige Jahre später ist die Festung jedoch wahrscheinlich von Waldemar Attertag (1340‑1375) erneut aufgebaut worden.

Der für das schreckliche Stockholmer Blutbad an schwedischen Adligen verantwortliche König Christian II., ließ den späteren Schwedenkönig Gustav Erikson Wasa im Kerker von Kalø schmoren. Der Gefangenenraum ist heute noch zu sehen. In der Verkleidung eines Ochsenknechtes gelang Wasa jedoch die Flucht nach Lübeck, wo die Dänen vergeblich versuchten, wieder an ihn heranzukommen. Nachdem es den Schweden nach verlustreichen Kämpfen gelungen war, die Dänen aus ihrem Land zu vertreiben, wurde Wasa ihr neues Oberhaupt und Christian II. erging es jetzt im Sønderborger Schloß wie einst seinem Widersacher. Die Dänen selbst sperrten ihn dort ein.

Die von Wassergräben umgebene Burg lag 22 Meter über dem Meeresspiegel. Vom wieder hergerichteten Damm aus kommt man durch ein Tor am mächtigen Hauptturm vorbei, dessen Mauern nur noch zehn Meter in die Höhe ragen. Der fast quadratische Burghof wird von einer Ringmauer aus großen Backsteinen umgeben. Die Gebäude und Räume innerhalb der schützenden Mauer waren auf damals typische Weise angeordnet. Backstube, Brauhaus, eine Küche und ein Frauenflügel zählten zum Schloß, dessen Tage nach der Reformation gezählt waren. Die allmählich verfallende Burg wurde 1672 abgebrochen und die Steine für den Bau der Kopenhagener Charlottenburg verwendet. Auch das Dorf Bregnet unweit des Schlosses, in dem die Frohnbauern und Landarbeiter der Burg wohnten, verfiel.

Der kleine Hafen von Nappedam ist unter den Yachthäfen zwischen Ebeltoft und Aarhus der beste Ausgangspunkt für Ausflüge ins südwestliche Djursland. Die große, nach Osten vorspringende Landnase bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten und hervorragende Wandermöglichkeiten. Gleich nördlich des Hafens durchziehen mehrere Wanderwege den Ringelmose‑Skov (Wald), die zur gotischen Bregnet-Kirche und zum Herrensitz von Kalø führen. Die Kirche wurde 1480 in gotischem Stil auf den Fundamenten einer romanischen Kapelle errichtet, aus der noch ein mit einem Doppellöwen verziertes Taufbecken stammt. Der auch als Schloß bezeichnete Herrensitz stammt aus dem Jahr 1700. Er wurde 1824 von der deutschen Adelsfamilie Jenisch gekauft, die außerdem noch ein Jagdhaus erbauen ließ. Heute gehört das Gut dem dänischen Staat und ist Sitz der Wildverwaltung des Landwirtschaftsministeriums.

Zu einem weiteren Herrensitz (und Gasthaus) gelangt man über die kleine Ortschaft Egens, zwei Kilometer südöstlich des Hafens. Dort biegt man am Ortsausgang nach Nordosten in einen schmalen Landweg ein und steht nach einem Spaziergang von drei Kilometern durch die nördlichen Molsberge vor dem Gut Møllerup. Der Herrensitz gehörte einst dem geächteten Königsmörder Marsk Stig, der 1286 beschuldigt wurde, König Erik umgebracht zu haben (siehe Ebeltoft). Das jetzige Hauptgebäude des Hofes wurde allerdings erst 1681 erbaut, lange nachdem Stig für vogelfrei erklärt worden war. Im Nebengebäude des Gutes befindet sich der gemütliche Gasthof "Hubertus Kro".

Die einzige Rundkirche in Jütland – in ganz Dänemark gibt es nur sieben dieser Rundkirchen – ist sieben Kilometer nordwestlich des Yachthafens, in Thorsager, zu besichtigen. Sie war zugleich Schutzraum vor Überfällen. Von der obersten Plattform bekämpfte man feindliche Eindringlinge und bedachte sie mit wenig frommen Sprüchen, im Untergeschoß wurden diese Sünden verziehen.

Auch das Hünengrab einen Kilometer südöstlich, das "Bergdorf"' Agri und der Wassermühlenort "Femmøller" (Fünf Mühlen) lohnen den langen Spazierweg (siehe Knebel Vig), der jedoch mit beim Touristenbüro gemieteten Fahrrädern zu einem zeitsparenden Fahrradausflug umgestaltet werden sollte. Ohnehin ist die Tour zu einer der herausragendsten Sehenswürdigkeiten der Gegend nur noch mit dem Fahrrad zu bewältigen, der Besuch des Schlosses Rosenholm. Die vierflügelige Anlage, zehn Kilometer nordwestlich des Hafens, gilt mit ihren zierlichen Ecktürmen als eine der vornehmsten in Dänemark. Schon das zuerst ins Auge fallende Gartenhaus ist ein Schmuckstück italienischer Renaissancebaukunst, von Jörgen Rosenkrantz um 1575 für seinen gelehrten Sohn Holger errichtet. Der "gelehrte Holger"' war vor allem in Deutschland als Verfechter der protestantischen Theologie für seine Schlagfertigkeit bekannt. Zu den Schmuckstücken in den Räumen des von einem Wassergraben umgebenen Schlosses zählt ein Portrait der Leonora Christina in der sogenannten Winterstube. Das Gemälde von der Tochter König Christians IV. entstand 1460.

Leonora Christina gilt als eine der tragischen Figuren in der dänischen Geschichte. Die Liebe der Königstochter zu ihrem Mann Corfitz Ulfeldt, brachten ihr 20 Jahre Kerker in der Festung Hammerhus auf Bornholm ein. Weil sie sich von ihrem Mann, der aufgrund einer Intrige vom Königshof fliehen mußte, nicht lossagen wollte, mußte sie die für ihren Mann gedachte Strafe mit antreten. Die Flucht aus dem Kerker endete tragisch. Sie wurden verraten und fortan in getrennte Zellen gesperrt.

Weniger dramatisch aber kurzweiliger geht es 15 Kilometer nordöstlich von Nappedam in Nimtofte zu. Hier kommen die Kinder im "Djurs-Sommerland" (Randersvej 17) beim Ponyreiten, auf einem nachgebauten Mississippi‑Dampfer, im Tarzanland und bei vielen weiteren Freizeiteinrichtungen des riesigen Spaßparks zum Zug.

Die zahlreichen Ausflugsmöglichkeiten, die schöne Bucht und die abwechslungsreiche Landschaft rund um die Egens Vig entschädigen für den Blick auf das mächtige Kraftwerk Studstrupværket auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht von Kalø. Daß die alte Landstraße nach Ebeltoft direkt am Hafen vorbeiführt, stört kaum.

Nappedam zählte einst zu den kleinsten Handelshäfen Dänemarks, der um 1860 angelegt wurde, als die Provinzstädte ihre Handelsmonopole verloren. Noch bis 1920 verkehrten regelmäßig Dampfschiffe nach Aarhus.

Zwar gibt es am hölzernen Clubhaus im Hafen ein kleines Café, aber keine weiteren Versorgungsmöglichkeiten rund um die Liegeplätze. Auf dem Weg zur Ruine kommt man am "Kalø Slotskro" und einer Würstchenbude beim Parkplatz vor dem Damm vorbei. Einkaufsgelegenheiten finden sich im nördlichen Rønde, das nach Möglichkeit nicht über die viel befahrene Landstraße aufgesucht werden sollte. Als schönere Strecke dorthin empfiehlt sich der Weg, der ebenfalls beim Parkplatz Richtung Westen abzweigt und durch den Hestehave‑Wald führt.

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