Hafenplan – S29/1 – Langør

Hafenübersicht

Kurzbeschreibung

Ausgesprochen idyllischer Fischer- und Sportboothafen im Stavns-Fjord, der landschaftlich zu den schönsten Gebieten Dänemarks zählt.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Gäste finden entweder eine freie Box im Hafen oder liegen längsseits an der Außenbrücke bei einer Wassertiefe von 2-3 m. Ankern: In der Bucht unmittelbar nördlich des Hafens findet man auf 2 - 5 m Wassertiefe einen sehr geschützten Ankerplatz.

Navigation

Die Ansteuerung über das teilweise enge und unbefeuerte Fahrwasser ist nur tagsüber zu empfehlen. Von Norden kommend, steuert man vom ersten Tonnenpaar mit ca. 176° zur nächsten grünen Tonne vor der Landzunge Lilleøre, die man dann in einem Abstand von ca. 50 - 100 m rundet. Nach dem Passieren des Tonnenpaares vor dem Hafen läuft man nach Westen in den Hafen ein. Von Osten kommend, erreicht man Langør über den betonnten "Lindholm Løb". Man hält mit westlichem Kurs gut von der 1,8 m-Stelle frei, um dann in das Fahrwasser bei Lilleøre einzuschwenken.

Versorgung

Eine bescheidene Auswahl an Lebensmitteln und Brötchenservice bietet der Kiosk am Hafen, eventuell auch Lachsforellen aus der Fischzucht bei Kyholm. Weitere Versorgungsmöglichkeiten gibt es nicht. Mit dem am Hafen gemieteten Fahrrad kann man allerdings gute Einkaufstouren nach Nordby unternehmen. Das gesamte Gebiet des Stavns-Fjords ist Wild- und archäologisches Schutzgebiet. Es gelten vielerlei Schutzbestimmungen, beispielsweise ist das Betreten der Inseln sowie das Angeln und Tauchen verboten.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff
Lebensmittel X
Kran X
Werft
Fäkalienentsorgung
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih X
Internetzugang

Kontakt

Telefon: +45 / 86 59 63 15

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Die Einwohnerzahl von Langør steht inzwischen in krassem Gegensatz zur Zahl der Sportschiffer, die jedes Jahr den Stavns Fjord besuchen: 30 zu 3000. Aber obwohl die Zeiten, als der kleine Hafen zu den "echten Geheimtips“ zählte, schon lange vorbei sind, haben Fjord und Siedlung nichts von ihrer Faszination eingebüßt. Beim Ort ist es vor allem die isolierte Lage am Ende eines langen Dammes, bei der Bucht die Unüberschaubarkeit einer miniaturhaften Inselwelt, die Hafen‑ und Ankerlieger anlocken.

Daß diese Umgebung für die Wikinger wie geschaffen war, liegt auf der Hand. Durch Untiefen und Riffs vor feindlichen Flotten geschützt, verschanzten sie sich hinter vorgelagerten Inseln in einer Festung auf dem größten Eiland im Fjord, auf Hjortholm. Von der Burg existieren jedoch nur noch unbedeutende Reste. Es ist ohnehin nicht möglich, sich die Überbleibsel anzusehen, weil es verboten ist, die allesamt unbewohnten und unter Naturschutz stehenden Inseln und Riffe zu betreten. Auf Hjortholm wurden Reste von Steinzeitsiedlungen gefunden. Überbleibsel von Häusern, Ställen und sogar Kornkammern belegen die Anfänge des Ackerbaus in einer Zeit, als Fischfang und Jagd die Grundlage der Ernährung bildeten.

Das Verbot, die Inseln zu betreten, dient unter anderem dem Schutz des "Fleckigen Seehundes", der sich in kleiner aber beständiger Anzahl im Fjord und auf dem vorgelagerten Bosserne‑Flach wohlfühlt. 2000 Eidergänse brüten jedes Jahr im Schutzgebiet unter idealen Brutbedingungen. Zu den anderen Brutvögeln zählen Sägetaucher, Austernfischer, Graugans, Herings- und Mantelmöwe. Außerdem dient der Stavns Fjord zahlreichen Vögeln als Rastplatz. Darunter sind mehrere Entenarten, Höckerschwan, Kormoran, Bleßhuhn und Ringelgans.

Eine große Gefahr für die einzigartige Natur rund um Langør geht von den Seglern aus. Naturschützer haben sie daher besonders im Visier – ein Grund mehr, sich an die Verbote zu halten und auf Landausflügen die Pfade nicht zu verlassen. Das gilt auch für den Bereich der Strandwiesen von Lilleøre und die Wege, die am Fjordufer entlang führen. Vom nach Stavns verlaufenden Uferpfad gibt es dennoch genug von der reizvollen Fjordlandschaft zu sehen, die auch "Ertrunkene Hügel" genannt wird, weil die Inseln im Grunde die Spitzen eiszeitlicher Moränenhügel sind – entstanden während der großen Eisschmelze. Erst Ende der Eiszeit wurde das rund 20 Quadratkilometer große Gebiet vom Meer überflutet. Die sich dunkel vom flachen Wasser des Fjords absetzende Fahrrinne ist ein Eiszeitrelikt. In dieser einstigen Schmelzwasserrinne bewegt sich der Tidenstrom des Fjords.

Welche außergewöhnliche strategische Bedeutung der Stavns Fjord für die Wikinger hatte, ist an einer beindruckenden Wasserstraße zu sehen, von der eine schnurgerade Mulde geblieben ist. Kanhavekanal heißt das interessante Zeugnis aus der Wikingerzeit, das aller Wahrscheinlichkeit angelegt worden ist, um einer im Fjord weilenden Flotte einen Fluchtweg offenzuhalten oder ihr überraschende Überfälle aus dem Hinterhalt zu ermöglichen. Außerdem konnte die auf Hjortholm erbaute Burg von zwei Seiten erreicht werden. Seeblockaden der Feinde blieben wirkungslos.

Der Wikinger‑Kanal gilt heute als erste künstliche Wasserstraße Nordeuropas. Auf 725 n.Chr. wird der Bau datiert. Historiker heben die für damalige Verhältnisse außergewöhnliche Ingenieurleistung hervor und bewundern noch mehr die organisatorische Leistung, die ein solches Projekt mit sich brachte. Der Kanal war 800 Meter lang, elf Meter breit und (je nach Wasserstand) knapp zwei Meter tief. Besonders viel Arbeit dürfte die Uferbefestigung des Kanals gemacht haben. Tausende von Pfählen verhinderten ein Abrutschen des Ufers in den Kanal. Ein Miniatur‑Modell im Museum von Tranebjerg (siehe auch Ballen) stellt das Bauwerk so dar, wie es ausgesehen hat, als König Harald Blauzahn mit seiner Flotte durch den Kanal fuhr. Der einstige Schnitt durch die Insel Samsø an ihrer schmalsten Stelle ist für die Lokalpatrioten noch heute Kulturgrenze zwischen dem „preußischen" und "bayrischen" Samsø – sozusagen die Samsøer "Weißwurstgrenze". Jahrhunderte lang lebten die Nordsamsøer (oder auch ‑samsinger) und die Südinsulaner in ihrer eigenen Welt, obwohl die einst getrennten Inselteile längst zusammengewachsen waren. Nur eine große, öde Heidefläche trennte die beiden Bevölkerungsgruppen. Die Entfernung von Nordby nach Tranebjerg sei die doppelte von der Strecke Nordby‑Peking hieß ein geflügeltes Wort, das den inneren Abstand der Nord‑ und Südinsulaner voneinander beschrieb. Es war für Seeleute nicht außergewöhnlich, die ganze Welt gesehen zu haben, ohne in Nordby oder umgekehrt in Tranebjerg gewesen zu sein. Es entwickelten sich unterschiedliche Dialekte und völlig unterschiedliche kulturelle und soziale Eigenarten. Die andere Seite der Heide galt allerdings nur so lange als Ausland, bis über das Wasser Gefahr von Außen drohte. Gegen die Schweden hielten die Insulaner 1658 wie Pech und Schwefel zusammen und vertrieben sie schließlich 1660 von der Insel.

Von der Funktion des Fjordes als Flottenbasis soll der Inselname Samsø stammen – ursprünglich Samlings‑Øen: die Insel, wo man sich versammelt. Fjord und vorgelagerte Inseln behielten ihre strategische Bedeutung bis in das 19. Jahrhundert hinein.

Die vor dem Eingang des Stavns Fjords gelegene Insel Kyholm heißt zwar wörtlich übersetzt "Insel der Kühe", war aber im 18. Jahrhundert Seucheninsel für infizierte jütländische Seeleute und 100 Jahre später, während der Englandkriege, ein Fort mit einer Schanze, 30 Kanonen und über 300 Soldaten. Zu dieser Verteidigungslinie gegen die starke Seestreitmacht der Engländer zählten auch die Schanzenanlagen auf dem Landvorsprung Lilleøre und auf dem sieben Kilometer langen Besser‑Riff, das sich wie ein schützender Arm um den Fjord legt. Es soll nur zu einzelnen Scharmützeln mit den englischen Schiffen gekommen sein. Der Respekt der Engländer vor den starken Batterien sei zu stark gewesen, behaupten die Chronisten. 1831 war die "Insel der Kühe" wiederum Quarantänestation, diesmal für an der Cholera erkrankte Seeleute. In Rauchzimmern wurden die Menschen geräuchert wie Heringe, das einzige damals bekannte Mittel gegen die Seuche. 19 Menschen fanden dennoch auf dem kleinen Friedhof des Eilands ihre letzte Ruhe.

Doch zurück zu Langør, das bis 1880 Samsøs wichtigster Hafen war. Schon Saxo, der bekannte Wikinger Chronist, war von ihm angetan und beschrieb den Hafen als einen Platz, wo man vor Unwettern und vor Feinden sicher sei, weil man die Widersacher rechtzeitig herannahen sehe und es genügend Rückzugsmöglichkeiten gebe. Zur Blütezeit der Samsøer Seefahrt herrschte ein reges Treiben auf Langør, obwohl der Handelsplatz erst Anfang des 18. Jahrhunderts bebaut wurde, als man gegen die feindlichen Schweden die Schanze auf Lilleøre anlegte. Pferdewagen rollten auf einem schlecht befestigten Damm zum Hafen, der bei Hochwasser überflutet wurde. Die Großkaufleute errichteten sich Lagerhäuser, woraufhin auch eine Zollstation erbaut wurde, um dem Fiskus die Abgaben zu sichern.

Dem Seemannsleben waren die Samsøer über Generationen verhaftet. Bauer und zugleich Seemann oder Schmied und Fischer zu sein, war üblich. Einige, wenige Fischer gibt es hier noch. Sie leben vom Aal- und Heringsfang. Aber auch Goldbutt, Krabben und Hummer können auf der eigenen Speisekarte stehen, wenn man mit einem der Fischer ins Geschäft kommt. Bei Langør werden in großen Reusen sogar Meeresforellen gezüchtet. Bei Havnehagen passiert man beim Hineinsegeln in den Fjord die Zuchtlachsreusen.

Die wenigen Häuser der Siedlung sind hauptsächlich im Sommer bewohnt. Im Winter, wenn die Touristen ausbleiben, soll der Ort kaum 15 Einwohner zählen. Der Kaufmann konnte offensichtlich allein von den Sommergästen nicht existieren. Der Kiosk‑ und Imbißbudenbesitzer am Hafen hat seinen Part teilweise mit übernommen, so daß man sich mit Lebensmitteln in begrenztem Umfang versorgen kann. Sogar die erwähnten Zuchtlachse kann man am Kiosk erstehen und damit seinen Speiseplan um eine Köstlichkeit bereichern. Und damit's kein eiweißlastiges Menü wird, sollte man sich vorher auf eines der Fahrräder schwingen, die um die Ecke vermietet werden, und sich im Laufe der Fahrradtour bei den Bauern die Vitaminbeilagen kaufen. Am Straßenrand stehen vor vielen Höfen Stände, an denen frisches Obst und Gemüse angeboten wird. Gut versorgt kann man dann auch leicht verkraften, daß es in Langør kein Restaurant gibt.

Nahe Naturschönheiten sind der lange Sandstrand bei Lilleøre mit seinen strandhaferbewachsenen Dünen und die sich längs des Strandes erstreckende Heidefläche "Østerhede" und "Nordbyhede". Eine ökologische "Oase" besonderer Art ist die kleine Lagune von Lilleøre, die zwischen Dorf und Kapelle auf der Ostseite des Dammes liegt. Sie fällt gelegentlich trocken und gibt den Blick auf die Hinterlassenschaften unzähliger Wattwürmer frei. Bleibt noch zu erwähnen, daß der Stavns Fjord nicht nur Naturschutz‑ , sondern auch archäologisches Schutzgebiet ist, in dem man beispielsweise in der Nähe der kleinen Kirche von Langør die ersten vorzeitlichen Küchenabfälle der Insel entdeckte (Übrigens bietet sich eine hervorragende Aussicht über den Fjord und seine Inseln vom Hügel der 1925 erbauten Kapelle nordwestlich von Langør. Das in den 30er Jahren spurlos verschollene Segelschulschiff "Kopenhagen" hängt als Votivschiff in der Kirche.

Schmuck aus der Wikingerzeit hat man auf der kleinen Halbinsel Hesselholm, gegenüber der Kapelle gefunden. Wrackreste von Wikingerbooten wurden zwischen den Fjordinseln unter der Wasseroberfläche entdeckt. Eine Reihe von ebenfalls auf dem Fjordgrund gefundenen Gerätschaften sind im Museum in Tranebjerg zu besichtigen.

Sehenswerte Bilder

Berichte / Kommentare

Im Kiosk am Hafen können Brötchen bestellt werden, die man am nächsten Morgen ab ca. 08:30 Uhr im Hafenbüro abholen kann. Am Hafen hält im Sommer zweimal am Tag der Inselbus der eine Fahrt zu weiteren Einkaufsmöglichkeiten in Mårup ermöglicht (Stand: Sommer 2019).

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Ergänzung / Berichtigung

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