Hafenplan – S26/19 – Kyrkbacken

Kurzbeschreibung

Kleiner, gemütlicher Fischerhafen an der Westseite der Insel Ven, der heute hauptsächlich von der Sportschifffahrt genutzt wird.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Der Hafen ist an den Wochenenden häufig überfüllt. Den meisten Schutz bieten – wegen des zeitweise auftretenden Dampferschwells – die Kaianlagen im nördlichen Teil des Hafens. Wenn der Hafen stark belegt ist, wird mit Heckanker festgemacht. Die Wassertiefe im Hafen beträgt 2,5 m.

Navigation

Die Ansteuerung des befeuerten Hafens ist Tag und Nacht möglich. Sie erfolgt von Westen her im weißen Sektor des Molenfeuers (Iso.WRG.4s) über eine betonnte Baggerrinne mit einer Solltiefe von 2,3 m. In der Rinne besteht, wie auch im Hafen selbst, Versandungsgefahr, so daß mit geringeren Wassertiefen gerechnet werden muß.

Versorgung

Außer recht einfachen Sanitäranlagen und einer kleinen Brennstoff-Station am Bootshafen bestehen begrenzte Einkaufsmöglichkeiten am Hafenkiosk.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss
Brennstoff X
Lebensmittel X
Kran
Werft
Fäkalienentsorgung
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih
Internetzugang

Kontakt

Telefon: +46(0)418 / 7 24 00

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Der Westhafen der Insel ist der meistbesuchte auf Ven – und wohl auch der beliebteste. Er liegt nur einen Kilometer von der "Hauptstadt" Tuna By entfernt und ist außerdem der Inselhafen mit den besten Versorgungsmöglichkeiten. Seine Lage am Fuße einer steilen Anhöhe, auf der die mittelalterliche St. Ibbs Kirche thront, trägt zur Beliebtheit von Kyrkbacken ebenso bei wie die Räucherei in einem der rotgestrichenen Holzhäuschen, das Café‑Restaurant im "Köbmanshuset" und die ansprechenden alten Häuser rund-herum. Ein Kiosk bietet Eis und andere Leckereien und die an den Steilufern gefundenen Bernsteine werden in einem Holzschuppen am Hafen verkauft.

Das erste Gebäude auf dem Weg von der Siedlung ins Inselzentrum ist die sehenswerte alte Feldsteinkirche, die der Seefahrt oberhalb der Liegeplätze als hervorragende Landmarke dient. Die Kirche aus dem 12.Jahrhundert ist das älteste erhaltene Bauwerk der Insel. Benannt ist sie nach dem Feudalherren lb Skalmson von Schloss Hildesborg, der einst nördlich von Landskrona residierte. Auf einer Schiffsreise geriet er vor Ven in Seenot. Fischer der Insel bemerkten das sinkende Boot und begaben sich selbst in Lebensgefahr als sie den Grafen retteten. Der Adelsmann bedankte sich dafür, indem er das Gotteshaus über dem Ufer baute, an dem er gerettet wurde. Vom kleinen Friedhof der Kirche aus hat man einen hervorragenden Blick auf die Siedlung und den Hafen Kyrkbacken – und über den Sund nach Seeland hinüber. Votivschiffe und alte Leuchter schmücken das Kircheninnere, des ausgesprochen sehenswerten Gebäudes.

Einen weniger beschaulichen Anblick bietet der Bunker am Kirchenhang, Überbleibsel eines traurigen Kapitels deutscher Geschichte.

Eine Reihe von alten Höfen und Häusern aus der Zeit um 1850 sind im einen Kilometer nordöstlich gelegenen Tuna By zu sehen. Die sonst übliche enge Bebauung historischer Kleinode ist in dem Dorf allerdings nicht anzutreffen. Unter den eher verstreut liegenden Häusern ist ein Ortszentrum schwer auszumachen. Das größte Dorf auf Ven bietet außer dem Tuna‑Krug (mit Café‑Terrasse), dem "Smedjegården" mit schönem Cafégarten (bei der neuen Kirche), einer Bank und mehreren kleineren Galerien auch einen kleinen Supermarkt am Südostausgang des Ortes. In der Nähe steht die "Neue Kirche“ der Insel, 1899 erbaut. Und wenige Meter davon entfernt werden Besucher im Tycho‑Brahe‑Museum über den berühmtesten Inselbewohner früherer Tage informiert.

Der im Jahr 1546 auf Schloß Knutstorp in Schonen geborene Brahe wurde bereits im Alter von 13 Jahren auf die Kopenhagener Universität geschickt. Eine Sonnenfinsternis zu dieser Zeit weckte sein Interesse an der Astronomie. Während vieler Studienreisen vertiefte er sein Wissen, wobei sich in Rostock ein makabrer Vorfall ereignete. Bei einem Duell mit einem anderen Adligen verlor Tycho Brahe ein Stück seiner Nase. Seitdem trug er eine Prothese an seiner Nase, die er stets mit Hilfe einer Salbe befestigte.

Am 11. November 1572 entdeckte er im Sternbild Cassiopeia einen Stern, den zuvor niemand gesichtet hatte. Dieser Himmelskörper, eine Supernova, mit der hundertfachen Lichtintensität der Sonne, ist wahrscheinlich der erste beobachtete Stern der Geschichte. Tycho Brahe hielt die Position mit einem Sextanten fest, beobachtete Lichtstärke und Farbe und notierte in einem kleinen Buch „De nova Stella" die Daten. Er zeigte auf, dass der Stern dem Raum der Fixsterne angehört, in dem Aristoteles von keiner Veränderung wissen wollte. Daher geriet die Lehre des Aristoteles mit Brahes Entdeckung ins Wanken, während Tycho Brahes Forschungsergebnisse ihn bald weltberühmt machten.

Der dänische König Friedrich II, der den Wissenschaftler als seinen Hofastronomen gewinnen wollte, bot ihm die Insel Ven auf Lebenszeit als Lehen an. Brahe errichtete mitten auf der Insel, auf dem höchsten Punkt, 45 Meter über dem Meer, die Uranienburg in holländischem Renaissancestil. Das im Museum als Modell zu besichtigende Schloss war streng symmetrisch angelegt. Das Bauwerk selbst existiert nicht mehr, aber gefundene Mauerreste zeigt das Museum. Ein paar Jahre später ließ er das Observatorium Stjaerneborg mit unterirdischen Räumen für die Instrumente bauen. Die in Teilen restaurierte Sternwarte ist in der Nähe des Museums zusehen.

Das bei seinen Mitmenschen nicht sonderlich beliebte Universalgenie Tycho Brahe konstruierte allerlei Instrumente und ließ sich wegen seines immensen Papierverbrauchs eine eigene Papiermühle auf der Insel bauen (Standort: siehe Plan). 21 Jahre wohnte und arbeitete Brahe auf der lnsel, vernachlässigte aber seine Pflichten als Lehnsherr des Eilands.

Beim neuen König Christian IV. fiel er in Ungnade und war schließlich ge­zwungen, Ven 1597 für immer den Rücken zu kehren. Er starb 1601 in Prag.

Während Schloss und Sternwarte im 17. Jahrhundert allmählich verfielen, gelangten die Aufzeichnungen von Tycho Brahe auf Umwegen nach Kopenhagen, wo sie heute zu den größten Kostbarkeiten der Königlichen Bibliothek gehören.

Ven nahm in der Zwischenzeit eine Entwicklung, die den Insulanern überhaupt nicht gefiel. Im Frieden zu Roskilde 1658 wurde die Insel den Schweden zugesprochen. Mit den neuen Herren konnten sich die Vener, die noch über Jahrhunderte fast ausschließlich Handelsbeziehungen zu Dänemark pflegten, nur schwer arrangieren. Eine Verarmung des Eilands war die Folge. Erst im 19. Jahrhundert erlebten die Inselbewohner glanzvollere Tage. Ziegeleien wurden ins Leben gerufen, Landwirtschaft und Fischerei blühten auf, erfolgreiche Schiffsreeder ließen sich auf Ven nieder und die Krone veranstaltete auf der Insel Hasenjagden.

Wer im Geschichtsbuch des Eilandes weit zurückblättert, erfährt, dass Ven vor 4500 Jahren nach der dritten Eiszeit entstand – zusammen mit vielen dänischen Inseln. Seitdem arbeiten Meer und Wind vor allem an der Steilküste am Süd‑ und Westufer der Insel. Dabei förderten die Naturgewalten oft Relikte von den Ureinwohnern auf Ven zutage. Die ältesten Fundstücke von Behausungen stammen aus der Zeit um 2500 v. Christus. Später erkannten die Wikinger die günstige strategische Lage der Insel. Die Schlacht von Svolder zwischen dem Dänenkönig Sven Gabelbart und dem Norwegerkönig Olav Tryggvasson ordnen Historiker dem Eiland zu. Svolder, so vermuten sie, ist eine Verkürzung des alten Inselnamens "Sandvolleöen". Von der Wikingerburg "Hammars Slott" beim Haken ist nichts geblieben und auch bei den in alten Karten ausgewiesenen Anlegeplätzen der Wikinger sind bislang keine archäologischen Kostbarkeiten entdeckt worden (siehe Plan).

Eine weitaus weniger ruhmreiche Entwicklung als zu den Wikingerzeiten hätte die Insel beinahe in neuerer Zeit genommen, nachdem es sich wohlhabende Schweden 1966 in den Kopf gesetzt hatten, aus dem gesamten Eiland ein Disneyland mit Hotelbetrieben und Casinos zu machen. Die Insulaner wehrten sich dagegen erfolgreich. Heute sind jegliche Neubauten auf Ven verboten. Die Tourismuswelle schwappt dennoch jedes Jahr vom schwedischen Festland mit der Fähre herüber. Dass es sich dabei hauptsächlich um Tagesgäste handelt, belegen die 700 (!) Fahrräder, die im Fährhafen Bäckviken (siehe dort) zum Verleih bereitstehen.

Mit dem Inselbus – einem Traktor mit Anhänger – kommt man sowohl nach Tuna By als auch nach Bäckviken.

Wandermöglichkeiten bietet die Insel in Hülle und Fülle. So kann man auf einem Uferweg die gesamte Küste umrunden und dabei an den Steilküsten auf Bernsteinsuche gehen. Auch die Rundwanderung über Mossen (siehe Plan), ist zu empfehlen. Dass kaum Autos die wenigen Inselstraßen befahren, macht die Besichtigung von Ven zu einem Genuß.

Sehenswerte Bilder

Berichte / Kommentare

Alma In der Hafeneinfahrt/-ausfahrt nah der grünen Tonne 2,30 m Tiefe gelotet.

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Ergänzung / Berichtigung

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