Hafenplan – S40/2 – Lauterbach

Kurzbeschreibung

Geräumiger alter Handelshafen und moderner Sportboothafen an der Nordküste des Greifswalder Boddens.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Es gibt mehrere Liegemöglichkeiten:
  1. Im alten Handelshafen an den Brücken mit Heckpfählen im Nordostteil (2,5m Wassertiefe).
  2. Im neuen Sportboothafen an den Holzbrücken mit Heckpfählen auf 2,5 - 3,5 m Wassertiefe.

Navigation

Die Ansteuerung ist über das gut betonnte und im Westteil befeuerte Fahrwasser Lauterbach Tag und Nacht möglich. Von Südwesten kommend  hält man sich vom westlich der Insel Vilm gelegenen Steinriff frei.

Aus östlicher und südöstlicher Richtung kommend meidet man die flachen Nordostausläufer der Insel Vilm .

Außerdem muss bei entsprechendem Tiefgang der steinigen Untiefe westlich der roten Spierentonne LB 2 ausgewichen werden.

Versorgung

Versorgungsmöglichkeiten, Sanitäranlagen und Gaststätten sind vorhanden. Eine Reparaturwerkstatt mit Slip und Brennstoff findet man im Fischereihafen, einen Travellift mit Reparatur- und Motorenservice im Sportboothafen.

Die Haltestelle Lauterbach Mole des „Rasenden Roland“ (Rügensche Bäderbahn) befindet sich direkt am Hafen.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff X
Lebensmittel X
Kran X
Werft X
Fäkalienentsorgung X
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih X
Internetzugang X

Kontakt

Telefon: +49(0)38301 / 80 90

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Der Hafen von Lauterbach hat vielleicht nicht ganz den Charme von Seedorf oder Baabe, ist aber ein "strategisch" günstiger Ausgangspunkt für Ausflüge nach Putbus und Bergen sowie zu einer Reihe von Sehenswürdigkeiten. Vom Hafen Lauterbach aus kann man auch die Insel Vilm besuchen.

Lauterbach hat  einen Bahnhof nördlich der Pier. Weil man das zwei Kilometer nordwestlich gelegene Städtchen und Kulturzentrum Putbus auch gut zu Fuß erreichen kann, ist die Bahnstation jedoch vor allem für Ausflüge in die acht Kilometer entfernte Kreisstadt Bergen interessant. Wer touristischen Trubel vermeiden will, sei allerdings vorgewarnt.

Rund 18.000 Einwohner zählt die Verwaltungs- und Handelsmetropole Bergen, die zugleich Verkehrsknotenpunkt im geographischen Mittelpunkt der Insel ist. Das kleinstädtische Gepräge blieb im Kern des Ortes bewahrt. Heraus- und emporragende Sehenswürdigkeit ist der 27 Meter hohe, 1877 fertig gestellte Ernst-Moritz-Arndt-Turm (zur Person von Ernst Moritz Arndt: siehe Puddemin). Von diesem, zur Erinnerung an den großen Patrioten errichteten wuchtigen Bauwerk, kann man weite Teile von Rügen, darunter den Jasmunder Bodden, überblicken. Den Ausblick werden schon die slawischen Fürsten geschätzt haben, die ein Stück weiter auf dem Höhenzug (90 m über dem Meeresspiegel) die Siedlung und Festung Gora gründeten, was soviel wie Berg bedeutet. Der Stadtname Bergen wurde offensichtlich davon abgeleitet.

Fürst Jaromar I. war es, der hier von seinem Schloss immer ein Auge auf seine Untertanen warf. Von seiner fürstlichen Residenz ist allerdings keine Spur mehr zu sehen, obwohl Burgplatz und Brustwehr eine einst beeindruckende Verteidigungsanlage vermuten lassen.

Schon den Rügener Chronisten Johann Jacob Grümbke begeisterte der Ausblick vom Rugard. In seinen 1805 erschienenen "Streifzügen durch das Rügenland" schrieb er: "In der Tat, die alten Rügenfürsten konnten zu ihrer Residenz auch keinen angemesseneren Platz wählen als die Scheitel dieses Berges, der die Aussicht über das ganze Inselland beherrscht". Grümbke berichtet weiter, dass die Fundamentsteine der Burg heute im Sockel des Schlosses Spycker stecken (siehe Martinshafen). Der schwedische Feldherr Wrangel hätte sie nach der Erzählung eines alten Mannes ausheben und zu Wasser nach Jasmund transportieren lassen.

Das Zentrum von Bergen ist der Marktplatz. Hier steht das angeblich älteste Fachwerkhaus auf Rügen. Wir überlassen es dem Leser, das ins Fachwerk eingeschlagene Baujahr zu entziffern. Und gleich noch ein Superlativ: Die Bergener Marienkirche ist das älteste erhaltene Gebäude auf Rügen. 1180 ließ Fürst Jaromar I. den Ziegelbau errichten und schon 13 Jahre später wurde er Nonnenkloster. Aus freien Stücken wird der slawische Fürst das Gotteshaus nicht erbaut haben, aber 1168 war Rügen von den Dänen erobert und unter Waldemar I. christianisiert worden. So ist der dänische Einfluss auf den Baustil unübersehbar. Interessantestes Überbleibsel aus der Slawenzeit ist unter diesem geschichtlichen Aspekt der in die Kirchenwand eingelassene Grabstein. Er stellt vermutlich den slawischen Gott Swantewit dar .

Auf einer Hochebene zwei Kilometer landeinwärts vom Hafen Lauterbach entfernt, liegt das Zentrum der Kleinstadt Putbus. Hier baute schon Anfang des 19. Jahrhunderts der Fürst von Putbus die Umgebung seines Schlosses planmäßig zum Luxusbad aus - mit Blick auf den zahlungskräftigen Adel und hochgestellte Persönlichkeiten.

Das Schloss des Malte von Putbus sollte in den 60er Jahren renoviert werden. Ein Abgesandter soll in den Westen geschickt worden sein, um dort die nötigen Einkäufe zu tätigen. Der Mitarbeiter nutzte die Chance zur Flucht und es wird erzählt, dass er dabei auch die zum Einkauf bestimmten Gelder veruntreute. So wurde das Schloss, unglaublich aber wahr, kurzerhand abgerissen. Trotz dieses herben architektonischen Verlustes erinnern noch eine Reihe anderer historischer Bauten und Einrichtungen an die Zeit, in der die ersten betuchten Sommergäste durch den großzügig angelegten Park schlenderten: eine Orangerie (1824), ein klassizistisches Theater (1821), eine spätklassizistische Basilika (1846), eine alte Reithalle, ein als Parkcafé (Rosencafé) umgestaltetes Gartenhaus und eine Reihe von Wohnhäusern im klassizistischen Stil.

Eine Besonderheit des Rosengartens beim Café ist der auch als Urbaum bezeichnete Ginkgo - ein lebendes Fossil (wie Darwin sagte).

Die Ginkgogewächse stellen entwicklungsgeschichtlich das Bindeglied zwischen Farnen und Nadelgehölzen dar, eine über Jahrmillionen zurückverfolgbare Pflanzenfamilie. Von den zahlreichen Arten soll allerdings heute nur noch der "Ginkgo biloba" erhalten sein. Das auffälligste an ihm sind seine fächerartigen, zweiteilig gelappten Blätter. Im Herbst färben sie sich gelb und die reifen, kirschgroßen und fleischigen Früchte riechen nach Buttersäure. Bei uns starb der Gingko während der Eiszeit aus und wurde dann im 19. Jahrhundert als Modepflanze aus China importiert. Auch Douglasien und Mammutbäume zieren die eindrucksvolle Parkanlage der 5000-Einwohner-Stadt.

Sehenswert ist auch das fast zehn Hektar große Wildgehege von Putbus mit seinem alten Baumbestand, dem sich in freier Wildbahn bewegenden Dam- und Rotwild und dem Restaurant "Jägerhütte". Der für die adelige Kundschaft im Nordosten der Stadt angelegte Platz mit seinen klassizistischen Gebäuden wurde aufgrund der Kreisform früher Zirkus genannt. Ein Obelisk in der Mitte des Rondells erinnert an die Gründung des fürstlichen Wohngebietes.

Den Anfang des feudalen Bäderbetriebes bildete 1818 das Badehaus an der Goor. Errichtet wurde es von Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus. In dem Haus mit lang gestreckter Kolonnade befindet sich ein Café mit Terrasse. Ein bronzezeitliches Hügelgrab liegt nahe des Badehauses. Imposanter ist jedoch das Großsteingrab 200 m nördlich von Lauterbach (direkt) an der Bahnstrecke nach Putbus. Es gilt als eines der besterhaltenen auf Rügen.

"Rasender Roland" wird die unter Denkmalschutz stehende Bäderbahn genannt, die zwischen Putbus und dem Ostseebad Göhren verkehrt. Die alte Schmalspurbahn mit zwei alten Dampfloks als Zugmaschinen ist jedoch keineswegs nur eine Urlauberattraktion. Sie wird von vielen Einheimischen als reguläres Verkehrsmittel genutzt (ausführliche Beschreibung: siehe Baabe). Nach Lust und Laune kann man an den einzelnen Stationen aussteigen und sich beispielsweise eines der zahlreichen Hünengräber längs des Schienenstrangs anschauen.

Der Denkmalhof Zirkow, 6 km nordöstlich von Lauterbach, ist ein sehenswertes Ausflugsziel. Es beherbergt unter anderem einen vollständigen Dreschzug wie er noch bis 1930 verwendet wurde - mit Strohpresse, Dreschkasten und Leiterwagen.

Ein besonders interessantes Dokument ist hier ein alter Pachtvertrag mit 23 Paragraphen zwischen Malte Fürst zu Putbus und dem Pächter Johann Heinrich Subklev. Die Paragraphen beinhalten fast ausschließlich Verbote für den Pächter und Rechte für den Verpächter. Beispielsweise steht dort: "Falls sich der Pächter eine Unterschlagung in der herrschaftlichen Hölzung zu schulden kommen lassen sollte, muss er den fünffachen Wert des entwendeten Holzes - nach der Abschätzung des herrschaftlichen Försters - an die ‚Fürstliche Kasse' erlegen".

Die auffällige toskanische Säule südwestlich von Lauterbach wurde 1854 von Wilhelm Stürmer geschaffen. Der auf die Ostsee hinausblickende Kurfürst von Brandenburg soll an die Schlacht der Brandenburger und Dänen gegen die Schweden im Jahr 1678 erinnern.

Die ebenfalls von Stürmer geschaffene Säule nordöstlich von Lauterbach (bei Stresow) zeigt Friedrich Wilhelm I. von Preußen, dessen Statue an den Sieg der Preußen und Dänen über die Schweden im Jahr 1715 erinnert, bei der 2000 Soldaten ihr Leben ließen. Die Schweden blieben trotz der Niederlage im Besitz Rügens: 1720 im Friedensvertrag zu Frederiksborg auf Betreiben der Franzosen so beschlossen.

Sehenswerte Bilder

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Ergänzung / Berichtigung

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