Hafenplan – S36/7 – Bodstedt

Hafenübersicht

Kurzbeschreibung

Hafen im Süden des Bodstedter Boddens, bekannt durch die traditionellen Zeesboote.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Bodstedt bietet Gastliegern ausreichend Platz. An der Ostseite des Hafens befindet sich ein Anleger für Fahrgastschiffe. Die Wassertiefe beträgt 1,8 - 2,5m.

Gäste sollten freie Plätze im vorderen Teil des Hafenbeckens nutzen (2,5m Wassertiefe). Der Ostkai im hinteren Teil und das unmittelbar westlich der Hafeneinfahrt gelegene kleine Becken dienen den örtlichen Zeesbooten und Jollenkreuzern als Liegeplatz.

Navigation

Die Ansteuerung ist nur tagsüber zu empfehlen. Vom Fahrwasser nach Ribnitz zweigt man bei Tonne 46  nach Bodstedt ab und steuert mit 143° zum Hafen. In der Zufahrt ist mit Mindertiefen zu rechnen (siehe NV.Aktuell).

Versorgung

Sanitäranlagen sind im Hafenbereich vorhanden. Begrenzte Versorgungsmöglichkeiten gibt es im nahe gelegenen Ort. Eine Gaststätte befindet sich gegenüber der Hafenzufahrt. Alljährlich im September wird hier die traditionelle Zeesbootregatta gestartet. Ausflüge in den nahen Ort und in die naturschöne Umgebung sind lohnenswert.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff
Lebensmittel X
Kran
Werft
Fäkalienentsorgung X
Rampe / Slip
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih
Internetzugang

Kontakt

Telefon: +49(0)38231 / 81694

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Die jährliche Zeesbootregatta im September ist das herausragende Ereignis in Bodstedt. Wenn die braunen Segel auf den Oldtimern der Segelfischerei gesetzt werden, versammeln sich hunderte von Zuschauern, um das Schauspiel zu beobachten. Das fachkundige Publikum kennt die Namen der Schiffe, weiß, worum es sich bei einer Teufelskralle, einer Jungfer oder einer Gaffelklaue in Rigg und Takelage handelt. Die eingeschworene Gemeinde der Zeesbootsegler ist klein, denn nur 55 Boote zählt die gesamte Flotte der meist betagten Holzfahrzeuge zwischen Wismar und Ückermünde. So wurde das älteste Boot, die "Old Lady", 1876 in Stralsund zu Wasser gelassen. An Freizeitsegeln dachte dabei noch niemand. Die Zeesboote waren Arbeitsfahrzeuge, die ihre Namen von der Zeese erhielten, dem Schleppnetz, das sie hinter sich herzogen. Wegen seiner Form wurde es auch Mönchsack genannt.

Wer dem Ursprung dieser Boote auf den Grund gehen will, muss im Geschichtsbuch weit zurückblättern. Die Anfänge der Boots-konstruktion sind weit vor dem Jahrtausend zu suchen. Die Ähnlichkeit mit slawischen Booten war eher eine entfernte und die Entwicklung eine allmähliche. Direkter Vorläufer des Zeesbootes war der Zeeskahn. Mit 7 m Breite, 22 m Länge und einem Tiefgang von 1m ist er seit 1524 urkundlich belegt. Die breiten, flachen und sehr kräftig gebauten Fischerkähne mit zwei Masten fuhren eine Luggertakelage mit Rahen von 7m Länge. Gefischt wurde bei gesetzten Segeln mit aufgeholtem Schwert. Bis zu fünf Stunden driftete der Kahn quer vor dem Wind, wobei man den rund zehn Meter langen Netzsack hinter sich herzog. Dieses ausgefallene Fangprinzip wurde auch bei den Zeesbooten fortgesetzt. Auf sehr wenigen Gewässern der Welt war diese Fangart gebräuchlich. Heute soll sie noch vor Korea praktiziert werden.

Über 100 Zeeskähne gab es einst, die ihren Fischfang nicht nur auf Haff und Bodden beschränkten. Gerade für die Bodden erwiesen sie sich nämlich auf Dauer als zu unhandlich und schwerfällig, so dass um 1900 nur noch etwa 40 der Zeeskähne existierten. Die anderen hatten bereits dem leichteren Zeesboot Platz gemacht, das zwar ebenfalls einen Meter Tiefgang aufwies, aber mit 3m Breite und 10m Länge wesentlich einfacher zu bedienen war.

Um 1850 wurden die ersten dieser neuen Fischerboote gebaut, die unter Vollzeug 100 m² Tuch trugen und damit so manchem modernen Boot, trotz des höheren Gewichts, seglerisch Paroli bieten. Die langen Auslegerbäume vorn und achtern waren für den heute so beliebten Oldtimer charakteristisch, wobei der Klüverbaum und der achtere Langbaum bis zu 4 Meter lang sein konnten. Daneben wurden die Tuckbäume ausgefahren, an Bug und Heck jeweils rund sieben Meter lang. Die Eigner der alten Fischerboote schätzen vor allem die elegante Form, die das Ergebnis eines Sprungs von etwa 50 Zentimetern bei einer durchschnittlichen Bordlänge von rund elf Metern ist. Das niedrige Freibord, die Driftbäume, der bis zu elf Meter hohe Großmast mit Gaffel- und Gaffeltopsegel und der im Schnitt 6,50 m hohe Bullmast mit der alten Luggertakelung tragen dazu bei, dass das Zeesboot vor allem unter Segeln einen sehr gefälligen Eindruck macht. Die Vorderkajüte und das eingedeckte Achterschiff nehmen dem Zeesboot zwar etwas von seiner Eleganz, sind aber bei den eingefleischten Liebhabern dieser Boote unverzichtbarer Bestandteil eines "echten" Oldtimers dieser Klasse. Auf Kritik stößt derjenige, der sich auf den Rumpf einen durchgehenden Kajütaufbau aufsetzen lässt. Beim Originalaufbau sind die beiden Decks durch einen rund 80 cm breiten Gang auf beiden Seiten miteinander verbunden. Starke Schotten grenzen den heute nicht mehr benötigten Fischraum in der Mitte nach vorn und achtern ab. Und weil so viel Wert auf eine möglichst ursprüngliche Schiffsgestaltung gelegt wird, gibt es in Bodstedt nicht nur Preise für die schnellsten Segler, sondern auch für diejenigen, die ihre Schiffe streng nach den Regeln der Zeesboot-Tradition erhalten.

Die meisten Zeesboote sind in Bodstedt und Wustrow beheimatet, aber auch in Pruchte sind die stabil gebauten Oldtimer zu sehen. Die übrigen verteilen sich über die ganze Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Ihre oft plattdeutschen Namen orientieren sich an alten Vorbildern und lauten: "Borsgrieper", "Störtebeker", "Rümdriewer", "Unkel Bräsig", "Hol dörch". Neubauten gibt es nur wenige. Die Schiffe nach dem alten Riss neu herzustellen ist ein kostspieliges Vergnügen und die Pflege der Boote eine arbeitsintensive Angelegenheit.

Wenn die Besucher der Zeesbootregatta wieder abgereist sind, ist Bodstedt ein ruhiger, beschaulicher Ort. Der Tourismus hält sich in Grenzen und die nahe Straße am Hafen des kleines Dorfes stört nur wenig. Das schöne Vereinshäuschen der Segler fällt in der liebevoll gestalteten Anlage ebenso angenehm auf, wie ein reetgedecktes Bootshaus.  Am Hafen bieten eine Gaststätte und der Fischverkauf des ortsansässigen Fischers der Crew die Möglichkeit zur Stärkung. Nahebei befindet sich ein kleiner Badestrand.

Mit dem Fahrrad sind Ausflüge durch das Barther Stadtholz, südlich des Hafens, zu empfehlen. Der Wald ist von zahlreichen Fahrrad- und Wanderwegen durchzogen. Außerdem bieten sich die Meiningenbrücke und der Hafen von Pruchten (5 km nordöstlich) als Ausflugsziele an.

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Ergänzung / Berichtigung

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