Hafenplan – S27/19 – Roskilde

Hafenübersicht

Kurzbeschreibung

Traditionsreiche Stadt im Süden des Roskilde-Fjords mit einem Museumshafen und zwei Yachthäfen.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Die Häfen sind stark mit einheimischen Yachten belegt. Gäste finden aber Liegemöglichkeiten in freien Boxen oder am Brückenkopf (Absprache mit dem Hafenmeister). Die Außenmolen des Yachthafens sind mit ihren hohen, hölzernen Spundwänden nur für größere Yachten geeignet, da sonst Schwierigkeiten bestehen, an Land zu kommen. Ankerplatz: Einen bei ruhigem Wetter akzeptablen Ankerplatz findet man östlich des Hafens vor dem Wikingermuseum auf einer Wassertiefe von 2-3 m.

Navigation

Die Ansteuerung des Hafens ist nur tagsüber möglich. Eine unübersehbare Landmarke ist der mächtige Dom von Roskilde.

Versorgung

Sanitäranlagen (im Klubhaus), ein Kran und ein Slip sind in dem gemütlichen Hafen vorhanden. Begrenzte Versorgungsmöglichkeiten bietet der Schiffsausrüster in Hafennähe. Durch einen bergauf führenden Park erreicht man das 1 km entfernte Zentrum der Stadt Roskilde.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff X
Lebensmittel X
Kran X
Werft X
Fäkalienentsorgung
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih X
Internetzugang X

Kontakt

Telefon: +45 / 46 35 10 00

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Die malerische Lage am Fjord, der mächtige Dom und das Musikfestival von Roskilde fallen wohl fast jedem ein, der auf Dänemarks alte Haupstadt angesprochen wird. Auf dem sommerlichen Open-Air‑Festival im Bygården sangen schon Popgrößen wie der röhrende Rockbarde Joe Cocker. Die Ansteuerung der Stadt mit der musikalischen Untermalung dieser urgewaltigen Stimme wäre natürlich das optimale Hör‑ und Seh-Erlebnis in einem. Aber das Glück wird man nicht haben und muss sich daher mit dem imposanten Anblick des näherrückenden Doms begnügen.

Vor rund 1000 Jahren wäre man nicht so nah an die Stadt herangekommen, ohne dass bereits ein paar hölzerne Kriegsschiffe mit geschwungenen Steven im Kielwasser aufgetaucht wären. Schon beim Anblick der Wikingerschiffshalle vor der grünen Ufer‑Silhouette hätte man das eigene Schicksal als besiegelt betrachten dürfen. Und man hätte sich über die einfallslose Architektur dieses Gebäudes keine großen Gedanken mehr machen müssen. In der großen Halle sind die Schiffe derer ausgestellt, die einst in den Seitenbuchten unwillkommenen Besuchern auflauerten und dafür sorgten, daß es niemandem gelang, die Stadt vom Wasser aus zu erobern. Das schafften auch die Schweden, 500 Jahre später, nur über Land. Für die Bevölkerung spielte freilich keine Rolle von welcher Seite es dem Feind gelang, die Stadt zu nehmen. Das Ergebnis wäre wohl das gleiche gewesen: eine nahezu völlig zerstörte Stadt.

Der Dom überstand die schwedische Zerstörungswut und steht noch heute in dem besonderen Ruf der bevorzugten Grabstätte des Königshauses. Seit dem 15. Jahrhundert wurde die Kirche ständig erweitert, weil so mancher dänische Herrscher nicht mit seinem Vorgänger in einer Grabkammer liegen wollte. Vier große Grabkapellen sind inzwischen angebaut worden, die, zusammen mit dem Kirchenchor, die Gräber von 20 Königen und 17 Königinnen enthalten.

Die erste Kapelle, die der Besucher betritt, ist die Kapelle Christian I. Sie wurde um 1460 erbaut und sollte nach dem Willen des Königs Versammlungsort eines von ihm gestifteten Ritterordens sein. Sowohl Christian I. selbst (1426 ‑1481) als auch Königin Dorothea (1430‑1496) wurden unter dem Fußboden beigesetzt; zwei prunklose Steine aus neuerer Zeit bezeichnen die Gräber. Offenbar betrachtete das Königspaar die Kapelle selbst als Grabmal.

Heute geben zwei gewaltige Denkmäler in holländischem Renaissancestil dem Raum das Gepräge in der Manier klassischer Tempel gestaltet und von Trabanten in römischer Tracht bewacht.

Die älteste Grabstätte wurde zur Erinnerung an Christian III. (1503‑1559) und seine Gemahlin Dorothea errichtet, obwohl nur die Alabasterabbildungen des Königs das Grabmal schmücken. Auf dem Deckel ruht er in voller Rüstung, auf dem Baldachin kniet er im Gebet. Dieses von Cornelius Floris 1575 gefertigte Grabmal gilt als eines der vollendetsten Werke der Renaissance in Dänemark.

Gegenüber dem Denkmal Christians III. steht das seines Sohnes Frederik II. (1534‑1588) und dessen Gemahlin Sofie (1557‑1631). Reliefs stellen hier Szenen aus dem Dithmarschen Feldzug des Königs im Jahre 1559 und aus dem Nordischen Krieg (1563‑70) dar. Man sieht Soldaten in der typischen Schlachtordnung jener Zeit zum Kampf vorrücken. Die beiden Grabmale sind leer, da sowohl Christian III. und Frederik II. als auch ihre Gemahlinnen in niedrigen, unterirdischen Gruften ruhen. Die Fresken und die posaunenblasenden Engel in der Kapelle vermitteln noch einen lebhaften Eindruck vom Aussehen eines Kirchenraumes im Spätmittelalter.

Bis ins Detail die weiteren Grabstätten zu beschreiben, würde an dieser Stelle zu weit führen. Wir empfehlen, im Fremdenverkehrsbüro ein Heft zu erstehen, das über die Gräber, das prunkvolle Altarbild, die Turmkapelle und die Königsempore Wissenswertes verrät.

Schon König Blauzahn baute um 960 eine Holzkirche in Roskilde. König Harald und sein Nachfolger König Tvæskæg eröffneten hier die lange Serie der Beerdigungsfeiern, noch bevor der mächtige Bischof Absalon 1158 den Bau eines Domes anordnete. Roskilde war eines der reichsten kirchlichen Zentren des Mittelalters. Außer den Kirchen, Klöstern und Stiften gehörten dem Klerus allein 30 große Herrensitze – allerdings nur bis zur Reformation, danach war es mit den Reichtümern und der absoluten Herrlichkeit des geistlichen Lebens vorbei. Der Sitz des Bischofs, das Palais am Dom, ist der Kirche geblieben. Es ist zugleich Besuchsquartier des Königshauses.

Zweite herausragende Sehenswürdigkeit neben dem Dom ist die bereits erwähnte Wikingerschiffshalle beim Hafen, wo fünf fast 1000 Jahre alte Schiffe der Wikinger ausgestellt sind. Die fünf Schiffe dienten einst zur Sperrung einer der Fahrrinnen bei Skuldelev, 20 Kilometer nördlich von Roskilde (siehe auch dort). Mit großen Steinen gefüllt, wurden sie quer über der Fahrrinne versenkt. Es gelang, die Reste der Boote im Jahre 1962 zu bergen, und man stellte nach der Konservierung des Holzes sowie der Zuordnung der Teile fest, dass es sich um fünf verschiedene Bootstypen handelte: ein Fischer‑ und Fährboot, ein hochseetüchtiges Grönlandboot (Ozeanschiff), ein Handelsboot, ein kleines Kriegsschiff für 24 Ruderer und ein Langschiff. Vom Letzteren mit dem gewaltigen Längenmaß von 28 Metern ist leider am wenigsten erhalten geblieben (etwa 25 Prozent). Bei den übrigen Schiffen wurde zu rund drei Vierteln das Originalholz geborgen. Alle Boote haben den schlanken Rumpf, die Klinkerbauweise und den geringen Tiefgang gemeinsam, eigneten sich also hervorragend für das flache Wasser des Fjordes.

Im Filmsaal des Museums finden auch in deutscher Sprache regelmäßig Vorführungen über die Ausgrabungsarbeiten statt – sinnvoll ergänzt durch eine ständige Ausstellung über die Wikingerzeit. Nachbauten der Wikingerboote liegen an Moorings vor dem Museum.

Dass Roskilde ein bedeutender wikingerzeitlicher Seefahrerort war, belegten die Schiffsfunde. Warum auch sonst sollte Knut der Große sie 1020 zum Bischofssitz gemacht haben. Kopenhagen war damals noch ein unbedeutender Fischerort. Das Machtzentrum lag in Roskilde.

Die Ausgrabungen der Archäologen in dem sich zum Domhügel erstreckenden Stadtpark bestätigen die Schilderung Adam von Bremens, der Roskilde um das Jahr 1070 als die größte Stadt Seelands und eine Hochburg des Handels bezeichnete. Spuren von Häusern aus dem 11 . Jahrhundert, Lehmböden, Ton- und Keramikscherben sowie Reste von Feuerstellen kamen ans Tageslicht. 1168 schenkte König Waldemar seinem Günstling, dem Bischof Absalon, die Stadt (nachdem der König vorher dafür gesorgt hatte, daß Absalon zum Bischof gewählt wurde). Zu dem Geschenk gehörte auch Burg Havn, das damalige Kopenhagen. Absalon schuf eine Handelsachse zwischen Roskilde und Kopenhagen, die dem Wirtschaftsleben in beiden Orten zu einer Blüte verhalf, die erst mit der Reformation endete. Roskilde war bis dahin zweifelsfrei das geistige Zentrum des Reiches mit einem überproportionalen Einfluß der Kirche, die auf dem Zenit ihrer Macht ein Sechstel aller seeländischen Bauernhöfe besaß.

Den Alltag, lange vor den bischöflichen Glanztagen jener Zeit, leben „Freizeit‑Vorfahren" zehn Kilometer südwestlich von Roskilde nach ‑ in dem unbedingt sehenswerten Historisch‑Archäologischen Ver-suchszentrum Lejre. Die freiwilligen Vorzeitfamilien bewohnen hier ein Eisenzeitdorf und lassen sich dabei über die Schulter schauen. Außerdem befinden sich auf dem großen Gelände des Versuchs‑Zentrums ein Altertumsweg, ein Opfermoor, eine altertümliche Ackerfläche, ein kultisches Tanzlabyrinth und ein Riesensteingrab aus der Bauernsteinzeit. In einer Webstube wird versucht, die Herstellung archäologischer Textilfunde zu kopieren, und in einer Töpferei wird Keramik auf prähistorische Art gebrannt. In einem "Feuertal" wird mit Feuerhölzern gezündelt und auf dem See des Tals mit ausgehöhlten Einbäumen gefahren.

Ein paar Bauernhäuser fügen sich nicht in den zeitlichen Zusammenhang. Sie dienen vor allem dem gesonderten Versuch, das Alltagsleben der Kleinbauern und Dorfhandwerker vor 150 Jahren nachzuvollziehen.

Im Mittelpunkt steht jedoch das Leben im Eisenzeitdorf, wo die kargen Verhältnisse von vor über 2000 Jahren das Bild bestimmen. Umzäunt von einer Palisadenreihe stehen hier Rekonstruktionen von vier Langhäusern, zwei kleineren Häusern, drei Schutzdächern und vier Brandstätten sowie der Bauplatz eines Häuptlingshofes.

Geschlafen wird auf Fellen, das Mehl für die Grütze oder das tägliche Brot wird in einem Steintrog kleingerieben. Das Wasser schöpfen die Bewohner der Siedlung aus dem Teich, Feuerholz sammeln sie im Wald und ihre Kleidungstücke nähen sie mit spitzen Tierknochen. Der Ausflug in diese vorzeitliche Lebenswelt schildern viele der "Steinzeitamateure" auch als eine Suche nach sich selbst. Anhand von Film‑ und Lichtbildervorträgen wird in der Nähe des Eingangs vom Zentrum erläutert, welchen Nutzen die Archäologie aus den Versuchen zieht, beispielsweise bei der Eisen‑Bearbeitung in der Schmiede von Lejre. Wertvolle Informationen für die Archäologie liefert auch der Pflanzenanbau nach vorzeitlichen Methoden, obwohl der Ackerbau zu den Zeiten der Jäger und Sammler noch in den Anfängen steckte. Jedenfalls zählt Lejre zu den herausragenden Sehenswürdigkeiten auf Seeland. Es ist von Roskilde aus per Bahn und Bus schnell erreicht.

Neben den drei geschilderten gibt es bei und in der einstigen Hauptstadt natürlich noch eine ganze Reihe weiterer Sehenswürdigkeiten. Wählen kann man unter anderem zwischen dem Werkzeugmuseum in der Ringstedgade, dem Stadtmuseum in der St. Olsgade 18 und der Spielkammer in der St. Hans Gade unweit des Hafens. Die Spielkammer beherbergt die größte Sammlung von Spielen und Spielkarten in Skandinavien, im Stadtmuseum sind Trachten und Funde aus dem Mittelalter ausgestellt. Ein historischer Gemischtwarenhandel und Kinderspielzeug aus Omas Zeiten sind ebenfalls dort zu sehen, während das bereits erwähnte Palais beim Dom eine Möbel‑ und Bilder-sammlung birgt.

Beachtenswert ist außerdem die große Zahl der Quellen im Stadtgebiet, darunter die St. Gertruds‑Quelle im Frederiksborgvej 23a (am Eingang zum Stadtpark) und die Magdekilde‑Quelle im Magdekildevej.

Außerhalb von Roskilde sind noch das Schloß Ledreborg (bei Lejre), eine große Barockanlage mit englisch- französischem Park und das Roskilde Sommerland, ein großflächiger Freizeitpark mit Schmalspureisenbahn, erwähnenswert. Das Dorf Gammel Lejre und eine Steinsetzung unweit dieser alten Siedlung lohnen ebenfalls den Besuch. Eine reichhaltige Auswahl an Ausflugszielen steht also zur Verfügung, wobei die alte Siedlung St. Jørgensberg, unmittelbar südöstlich des Hafens, nicht vergessen werden darf. Sie war einst ein kleines Dorf mit Höfen rund um die mittelalterliche Kirche St. Jürgen und ist noch immer ein Kleinod mit liebevoll gepflegten, zumeist weißgekalkten Reetdachhäuschen. Wo heute die malerischen Höfe das romanische Gotteshaus umgeben, stand während des Mittelalters ein Hospital, in dem die "Aussätzigen" untergebracht waren.

Ins Stadtzentrum sollte der Fußweg durch den Park südlich des Hafens gewählt werden. Dabei passiert man eine Glasbläserei, in der die Kunst des Glasblasens vorgeführt wird.

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