Hafenplan – S43/8 – Wollin

Hafenübersicht

Kurzbeschreibung

Anlegemöglichkeit  im Osten des Stettiner Haffs.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Unmittelbar südlich der Drehbrücke befindet sich eine 200m lange befestigte Anlegemöglichkeit (3,2 - 4,5m Wassertiefe). Im Süden schließt sich ein 140m langes Wassersportgelände der „Liga Morska“ an. Hier finden Gäste in begrenzter Zahl Liegeplätze auf 3,2 - 3,5m Wassertiefe vor Heckboje oder eigenem Heckanker.

Navigation

Die Ansteuerung von Wollin ist Ortsunkundigen nur am Tag zu empfehlen. Sie erfolgt aus dem Stettiner Haff kommend ab Tonne ME-W mit 082° in Richtung Tonne W4 und mit gleichem Kurs durch das betonnte Fahrwasser in die Paulsdorfer Bucht. Der beidseitig betonnte Fahrwasserabschnitt neigt stark zur Versandung. Ab Tonne W3 ist eine Wassertiefe um 3m vorhanden. Die beiden festen Brücken nördlich der Drehbrücke haben eine Durchfahrtshöhe von 12,2m.

Die Passage über die Dievenow in Richtung Ostsee ist deshalb nur für Schiffe mit weniger als 12m Masthöhe möglich. Das Fahrwasser ist von der Ostsee her ab Dievenow betonnt. Vom Stettiner Haff kommend, hält man die roten Tonnen an Steuerbord, Wassertiefen um 2m.

Brückenöffnungszeiten:

01. Mai - 31. August: täglich 09:00, 14:00, 18:00 Uhr
01. - 30. September: Mo - Fr 9:00, 15:00 Uhr; Sa 10:00 Uhr; So 13:00 Uhr
01. Oktober - 30. April: Mo - Fr 09:00, 15:00 Uhr

Versorgung

Im Clubhaus gibt es Sanitäranlagen. Gute Versorgungsmöglichkeiten und ein Museum befinden sich in unmittelbarer Nähe des Hafens.

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme
Elektroanschluss
Brennstoff
Lebensmittel X
Kran
Werft
Fäkalienentsorgung X
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih
Internetzugang    

Kontakt

Telefon: +48(0)91 / 3 26 11 14

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Historiker vermuten, dass hier die sagenumwobene Stadt Vineta gestanden hat, die der Sage nach untergegangen ist. Fest steht, dass es auf der Insel Wollin eine sehr reiche, große heidnische Handelsstadt gab. Das belegten schon wissenschaftliche Ausgrabungen um 1930. Reiche Schmuck- und Münzenfunde wurden ebenso entdeckt wie Kultstätten. Acht Meter breite Wallanlagen umgaben die Stadt, deren Straßennetz so angelegt war, dass die von Westen nach Osten verlaufenden Straßen direkt zum Hafen führten, wo die Handelsschiffe bis zu 30 Tonnen Ladung fassten.

Keinesfalls hat Vineta vor der Küste von Usedom  oder vor Arkona gelegen, wie noch immer behauptet wird. Den christlichen Missionaren passte später gut ins Konzept, von einer Stadt zu erzählen, die durch Verschwendungssucht, Wollust und Gottlosigkeit ihrer gerechten Strafe nicht entging und daher wie Atlantis im Meer versank. Nur alle 100 Jahre darf die Stadt nach der Sage in der Osternacht für eine Stunde in all ihrer Pracht aufsteigen und kann dann durch den Kauf einer Ware erlöst werden. Tatsächlich weisen die Funde auf ein ausgesprochen reiches slawisches Zentrum in der Zeit vom 8. bis zum 11. Jahrhundert hin. Vineta soll als Wunderstadt angesehen worden sein, wo die Kaufleute ihre Lager mit Waren aller Art gefüllt hatten. Von prunkvollen Helmen, prächtig verzierten Waffen, wertvollen Seidenstoffen, silbernen und goldenen Bechern, an denen Diamanten aufblitzten, war die Rede. Alles, was das Herz begehrte, soll es gegeben haben: Rinder, Schafe, Pferde, Felle, Wolle, Honig, Flachs, schäumendes Bier und süßen Met.

Das wirtschaftliche Potential der Stadt war für die Zeit um die Jahrtausendwende überwältigend. Bronze- und Eisenverarbeitung und die Herstellung von Bleiglas weisen auf eine Hochkultur des Handwerks hin. Die Hornproduktion hatte schon fast industrielle Ausmaße. Fast 40.000(!) Rohprodukte aus Horn wurden gefunden, woraus Griffe, Fassungen, Schmuckdosen, Haarnadeln und Kämme entstehen sollten, die in großer Zahl exportiert wurden.Ebenso wurde Bernstein in großen Mengen zu kleinen Kunstwerken und Schmuck verarbeitet. Rund 100 Kilogramm vom Gold des Nordens wurden bisher in den Resten der einst so mächtigen Handelsstadt gefunden.

In der Sage wird der Reichtum ausgeschmückt. Danach war die Hafenstadt von einer Mauer mit goldenen Toren umgeben, die Häuser bestanden aus Marmor und auf den Tischen stand das feinste Silbergeschirr. Dieser Reichtum rief die Wikinger unter Harald Blauzahn auf den Plan, die die wendische Stadt im 10. Jahrhundert mehrfach überfielen und schließlich zerstörten. Aber die Stadt wurde neu gegründet.

Auf den Trümmern von Vineta wurden die Jomsburg der Wikinger und die große Handelsstadt Jumneta erbaut, die bald den Namen Julin trug. Velunzani, Weltaba und Voulini sind weitere Namen, die überliefert sind. Die Bezeichnung Jom tauchte erstmals um 1050 auf und bedeutete soviel wie Sandinsel.

Es entwickelte sich ein lebhafter Warenzug, denn der Ort lag an der sogenannten Bernsteinstraße zwischen Skandinavien und Byzanz. Die Oder galt als der reichste Strom der slawischen Länder. Jumneta war ein Schmelzpott für Menschen verschiedenster Nationen, die unbehelligt in der slawischen Stadt wohnen und handeln konnten, wenn sie ihren Glauben nicht öffentlich zeigten. In einer überlieferten Beschreibung bezeichnet Adam von Bremen die Stadt als die größte in Europa.

In einem Reisebericht des arabischen Kaufmanns Ibrahim Ibn Jakob heißt es, dass die Stadt zwölf Stadttore und einen großen Hafen besitze. Ganze und halbierte Baumstämme würden das Baumaterial der Anleger bilden. Die heidnischen Wolliner verehrten wahrscheinlich den dreiköpfigen Triglaff. Der Stern der Stadt sank, nachdem die Norwegerfürsten die Flotte der Jomsburgwikinger vernichtend geschlagen hatten.

Die Pommernherzöge setzten das Christentum teilweise mit Gewalt durch und drängten Wollin (damals noch Jullin) zugunsten ihrer Residenz Stettin zurück. Erneut eroberten die Dänen, mit Pommern im Krieg, im Jahr 1170 die Stadt. König Waldemar zerstörte sie bis auf den Grund.

An der verödeten Stelle entstand Wollin, eine Schiffer-, Fischer- und Ackerbürgerstadt, die 1277 das lübsche Stadtrecht erhielt, aber nie wieder an die alten Glanztage ihrer Vorgänger anknüpfen konnte. Schiffsschmiede, Seiler und Böttcher waren im 18. und 19. Jahrhundert unter den Handwerkern des Ortes, in dessen Hafen noch vor dem Zweiten Weltkrieg große Getreidemengen umgeschlagen wurden. 1945 wurde die Stadt fast völlig zerstört.

Der Ort hat sich heute noch nicht vom "Kampf um Wollin" erholt und weist nur noch wenige Sehenswürdigkeiten auf. Da wäre zunächst die 1945 schwer in Mitleidenschaft gezogene Kirche. Vom Kirchenschiff blieben nur noch die Mauern stehen. Hier wurden lange Gottesdienste unter freiem Himmel abgehalten. Mittlerweile ist sie komplett restauriert und stellt wieder eine markante Sehenswürdigkeit dar. Besonders auffällig sind weiterhin die aus ganzen Baumstämmen bestehenden Schnitzereien, die zwar in dieser Gegend Polens stark verbreitet sind, aber kaum irgendwo so konzentriert stehen wie in Wollin. Das Leben der Wikinger und Slawen läßt sich im Wikingerdorf Jomsburg  auf der vorgelagerten Insel lebendig erleben. Seit 1993 findet hier jährlich ein Wikinger-Festival statt, zu dem aus dem gesamten Ostseeraum Beteiligte anreisen, um unter anderem auch das historische Handwerk zu demonstrieren. Das Heimatmuseum am Hafen und ein historischer Platz, der an den Zug der Kreuzritter ins Slawenland erinnert, beschließen die kleine Liste der Sehenswürdigkeiten.

Sehenswerte Bilder

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