Hafenplan – S41/7 – Peenemünde

Kurzbeschreibung

Sportboothafen des MRV Peenemünde und benachbarter, geräumiger Hafen für die Fahrgastschifffahrt.

NV. Hafenlotse

Hafenplan

Liegeplätze

Gastyachten liegen an Plätzen (ca. 20) mit grüner Kennzeichnung an der Südwestpier auf Wassertiefen zwischen 2 - 2,7m.

Der Anleger des Angelvereins ist Einheimischen vorbehalten.

Navigation

Die Ansteuerung des unbefeuerten Hafens erfolgt von Tonne 16 des Hauptfahrwassers im Peenestrom mit 50° zu der mit rot/grün bezeichneten Durchfahrt zwischen den Dalben nahe der Hafenmole.

Versorgung

Der Hafen bietet Stromanschlüsse auf der Pier. Eingeschränkte Einkaufsmöglichkeiten finden sich im nahegelegenen Ort Peenemünde.

U-Boot- und Raketenmuseum in unmittelbarer Hafennähe.

 

Service

Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff
Lebensmittel X
Kran
Werft
Fäkalienentsorgung
Rampe / Slip X
Fähre / Bus / Bahn
Fahrradverleih
Internetzugang

Kontakt

Telefon: +49(0)38371 / 26 88 62

NV. Landgangslotse

Sehenswertes

Kapelle in Peenemünde

Dass sich in Peenemünde zur NS- Zeit ein Konzentrationslager befand, dessen Insassen als Arbeitskräfte beim Auf- und Ausbau der Raketenversuchsanstalt ausgebeutet wurden, ist weniger bekannt. Unter der Rubrik "Sehenswertes" der Hafenbeschreibung Karlshagen ist einiges darüber festgehalten, das unbedingt lesenswert ist und die dunkle Seite der Geschichte Peenemündes aufzeigt. Denn zumeist wird Peenemünde ausschließlich in Verbindung gebracht mit dem hervorragenden, epochalen technischen Fortschritt in der Luft- und Raumfahrttechnik, den die Raketenversuchsanstalten des Heeres und der Luftwaffe der Wehrmacht hervorbrachten. Die in Peenemünde entwickelte A 4 - Rakete wird als Vorläufer aller zivilen Weltraumraketen betrachtet. Die militärische Nutzung dieser Technik als Vernichtungswaffe war derzeit selbstverständlich das eigentliche Forschungsziel. Die in Peenemünde gebauten V 1 und V 2 - Raketen, die propagandistisch zu "Wunderwaffen" hochstilisiert wurden, sind dann auch tatsächlich gegen England eingesetzt worden.

1936 ‑ also bereits drei Jahre vor Beginn des Zweiten Weltkrieges setzte um Peenemünde und Karlshagen eine unvorstellbare Bautätigkeit ein: Lagerbunker, Konstruktionsbüros, Wohnsiedlungen, Hafenanlagen, ein Flugplatz, neue Straßen, Werkhallen, Laboratorien, ein Heizkraftwerk, eine Schnellbahnverbindung nach Berlin, Raketenabschussrampen wurden aus dem Boden gestampft, um Raketen zu produzieren, aus denen später die "Wunderwaffen" erwachsen sollten.

Für dieses Ziel war kein Aufwand zu hoch und kein Wissenschaftler zu teuer. In unterirdischen weitverzweigten Anlagen sollen 40.000 Menschen, hauptsächlich Häftlinge aus dem Konzentrationslager "Dora"" unter schlimmsten Bedingungen gearbeitet haben. Auch das alte Fischerdorf Karlshagen musste den neuen Anlagen weichen.

Nur wenigen gelang die Flucht "aus der Hölle". So schafften es der Flieger Michail Petrowitsch Dewjatew und ein paar Mitstreiter, ein Flugzeug vom Typ Heinkel "He111" unter dramatischen Umständen zu "kapern"". Zwar traf sie hinter den Linien ein sowjetisches Flakgeschoss, aber es gelang eine Bauchlandung. Dewjatew war viele Jahre später nicht mehr in der Lage, die Standorte der Massengräber genau zu bestimmen, weil die Anlagen auf Peenemünde fast bis ins Kleinste gesprengt worden waren und sich heute der Wald dort ausgebreitet hat, wo die Gräber liegen.

10.000 Spezialisten, davon allein knapp 2.000 Wissenschaftler, waren unter strengster Geheimhaltung an dem V‑Waffen‑Projekt beteiligt. Darunter befand sich auch der namhafte Professor Wernher von Braun, der Peenemünde als Erprobungsgelände mit entdeckte. Peenemündes Einwohner wurden evakuiert, der Wald gekauft und Teile von Karlshagen beschlagnahmt. Nach und nach wurde der Nordwesten Usedoms zur Festung umgebaut. Teile der Nordspitze von Peenemünde konnten sogar geflutet werden, um die Angreifer aus der Luft mit einem anderen Inselbild zu täuschen.

Doch die aufwändige Operation gestaltete sich zeitintensiver als es sich der "Führer" vorgestellt hatte. Die ersten Erfolgsmeldungen kamen erst, als sich 1942 die Wende zugunsten der Alliierten abzeichnete. Adolf Hitler befahl die Serienproduktion der Raketen, deren Material der entstehenden Hitze beim Durchdringen der Atmosphäreschichten oft nicht standhielt. Jede dritte oder vierte Rakete explodierte, bevor sie ihr Ziel erreicht hatte. Der massivste Gegenschlag der Alliierten in der Nacht vom 17. und 18. August 1943 wurde zum Inferno, bei dem allein über 2.000 Menschen ums Leben kamen, darunter hunderte von Zwangsarbeitern (auch Frauen und Kinder). 700 Bomber und Nachtjäger entluden in nur einer halben Stunde ihre gesamte Bombenlast über Peenemünde und Karlshagen. Viele Gebäude samt der Strandkolonie und Karlshagen wurden in Schutt und Asche gelegt. Die Phosphorbomben ließen die Menschen brennen wie Fackeln. Überlebende berichten von grausamen Szenen. Danach wurde in Peenemünde "aufgeräumt" und die Raketenproduktion nach Mitteldeutschland verlegt. Dennoch forderten weitere Bombenangriffe noch mehr Opfer. Ein Großangriff traf die Gemeinden Peenemünde und Karlshagen im Juli 1944 schwer. Tausende von Menschen starben auch in England durch die Raketen. Von den 12.000 V2‑Raketen, die Hitler bestellt hatte, erreichten über 1100 dort ihre Ziele.

Das "Historisch-Technische Museum Peenemünde" hat sich zu einem höchst sehenswerten "Freilichtmuseum" gemausert, in dem diese Zusammenhänge dargestellt werden. Auf einer großen Ausstellungsfläche wird anhand von Dokumenten, Originalteilen, Zeitzeugeninterviews, Dokumentationsfilmen und Modellen der Weg der Raketenpioniere über zivile Raumfahrt bis zur systematischen Entwicklung der ersten militärischen Großrakete in Peenemünde sowie deren Serienproduktion und Kriegseinsatz im historischen Zusammenhang dargestellt. Das individuell begehbare Kraftwerk der ehemaligen Peenemünder Versuchsanstalten ist Teil der Ausstellung und ergänzt als größtes technisches Denkmal Mecklenburg-Vorpommerns die Sehenswürdigkeiten. Ein ausgeschilderter Rundweg zu authentischen Orten auf dem großen Areal der ehemaligen Versuchsanstalten ermöglicht einen umfassenderen Einblick und das Erfassen der Zusammenhänge.

Der Peenemünder Hafen nördlich des Sportboothafens gehört teilweise zum Ausstellungsgelände und bietet dem Besucher museale Einblicke auf diverse Kriegsschiffe der Zeit des "Kalten Krieges", u.a. eines russischen UBootes. Teilweise wird der Hafen auch von Freizeitbooten und der Fahrgastschifffahrt genutzt.

Beeindruckende Reste der alten Schnellbahnverbindung nach Berlin findet man noch im Wald nördlich von Peenemünde. Zwar fehlen die Schienen der vierspurigen Strecke, aber Unterführungen und Bahnsteige sind noch vorhanden. Außerdem stehen hier noch riesige Zisternen, mit denen der Grundwasserstand reguliert wurde. Sogar ein Brandenburger Tor in Kleinformat ließ man in Peenemünde aufbauen. Es wurde nach dem Krieg ebenso in die Luft gesprengt wie die riesigen Produktionshallen, deren Fliesen noch unbeschädigt unter den Trümmern liegen. Anhand des unterschiedlichen Baumbewuchses lassen sich die gigantischen Ausmaße der vier Hallen ermessen.

In diesem Sinne ist Peenemünde eine "Sehenswürdigkeit"", die man mit der Inselbahn erreichen kann.

Man kann auch auf dem Damm am Peenestrom von Karlshagen nach Peenemünde laufen, sofern man es nicht vorzieht, mit Fahrrädern auf der Straße dorthin zu fahren. Eine Informationstafel nahe dem Karlshagener Feuerwehrhaus gibt weitere Auskünfte über das Seebad, das selbst keine Sehenswürdigkeiten aufweist. Zu empfehlen bliebe noch die Wanderung auf dem Damm vom Karlshagener Hafen ins südliche Zercherin. Belohnung des Fußmarsches ist die schöne Landschaft des Trassenmoores zur Linken und der Blick auf den Peenestrom zur Rechten.

Sehenswerte Bilder

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Ergänzung / Berichtigung

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Diskussion zu S41/7 - Peenemünde