Ralswiek S38/10

Hafenansicht: 
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Hafenplan: 
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Hafen: 

In herrlicher Landschaft gelegener Yachthafen im Süden des Jasmunder Boddens.

Liegeplätze: 

Gäste finden Liegeplätze in den Boxen des neu gestalteten Wasserwanderrastplatzes südöstlich des ehemaligen Marineanlegers. Die Wassertiefe beträgt 0,5 - 2,1m.

Der ehemalige Marineanleger dient heute den Fahrgastschiffen als Pier. Hier darf nicht (auch nicht für kurze Zeit) angelegt werden.

Navigation: 

Die Ansteuerung ist nur tagsüber möglich. Sie erfolgt ab Fahrwassertonne RW1 mit 181° im betonnten Fahrwasser bis zu den Fahrwassertonnen RW5/RW4.

Während Aufführungen der Festspiele (Juni bis September) darf im Bereich des Festspielgeländes nicht geankert werden (19 - 23 Uhr, täglich außer sonntags). Die Zufahrt zur Marina ist jedoch möglich.

Den Yachthafen steuert man mit 150° ab der Nordtonne an und läuft dann auf die auffällige Dalbenreihe zu. Rund 20 m vor dem mit einem Podest versehenen Dalben hält man dann mit 180° auf die Steganlage zu.

Versorgung / Sonstiges: 

Bei den Stegen gibt es Sanitäreinrichtungen. Eine Gaststätte und begrenzte Versorgungsmöglichkeiten befinden sich im Ort. Ein Besuch der Störtebecker Freilicht-Bühne ist zu empfehlen. Vorführungen finden von Ende Juni bis Anfang September statt.

Service: 
Toilette X
Dusche X
Wasser X
Müllannahme X
Elektroanschluss X
Brennstoff
Lebensmittel X
Kran
Werft
Fäkalienentsorgung
Rampe / Slip
Fähre / Bus / Bahn X
Fahrradverleih X
Internetzugang
Kontakt: 

Telefon: +49(0)3838 / 31 35 53

Sehenswertes: 

Das Schloß von Ralswiek

Zu Unrecht stehen allein die Wikinger in dem Ruf der "schlagkräftigen " seefahrenden Handelsleute, die das Mare Balticum beherrschten. Vor und um die Jahrtausendwende spielten die slawischen Ranen (auch Rugianen genannt) im Ostseehandel eine nicht minder bedeutende Rolle. Als Piraten gefürchtet und als Händler angesehen, schlug sich ihr Einfluß sogar in der Namensgebung eines großen Bereiches von westlicher und südlicher Ostsee nieder. Das Mare Rugianorum, das Meer der Rügenslawen, wurde ihr Handelsreich genannt, und Ralswiek war ihr größter Seehandelsplatz.

Von ähnlicher Größe wie Haithabu, das Handelszentrum der Wikinger an der Schlei (siehe: Haddeby), waren die Handelsbeziehungen der Rugianen von Ralswiek ebenso weit gespannt wie die der Schlei-Wikinger, wobei den Ranen die Verwandtschaft zu den Slawenstämmen bis hinunter zum Balkan zugute kam.

Ausgrabungen belegen sowohl den Fernhandel ins nördliche Skandinavien wie zu den arabischen Ländern und geben eine Vorstellung davon, wie umfangreich der Handel gewesen sein muß.

Holzkapelle in RalswiekUnter den Ausgrabungsfunden befindet sich der bisher größte in Nord und Osteuropa entdeckte Schatz arabischer Silbermünzen aus dem 9. Jahrhundert, vermutlich hastig vor einem Angriff der Feinde vergraben. Darüber lagen die Reste eines verbrannten Hauses. Sich die damit verbundenen Ereignisse vor 1000 Jahren auszumalen, fällt nicht schwer, ebenso wenig das Schicksal des Eigentümers. Für die 2000 Münzen und den fast drei Kilo schweren Armring hätte er viele Pferde, Sklaven und Sklavinnen kaufen können. Aber vielleicht hätte er ein paar der Sklaven auch opfern müssen, um die Götter gnädig zu stimmen, denn ihre oft mehrköpfigen Götzen verlangten nicht nur nach Schafen, Schweinen oder Rindern. Einen Opfertempel wie in anderen slawischen Siedlungen gab es in Ralswiek offenbar nicht. Der Kult- und Opferplatz (siehe Skizze) befand sich am Strand unter freiem Himmel. Die gefundenen Menschen- und Tierknochen weisen diesen zeremoniellen Ort ebenso aus wie ein Gräberfeld in der Nähe.

Die weitere Liste der Fundstücke, die großteils im kulturhistorischen Museum von Stralsund (und leider nicht vor Ort) zu sehen sind, ist lang. Neben Gefäßen aus gebranntem Ton sind Glasperlen, Bronzeschmuck, Schleifsteine, Pfeil- und Speerspitzen und natürlich Boote entdeckt worden. Nicht alles was gefunden wurde, war Import. So sind bis jetzt an eigenen Produktionsstätten eine Schmiede und eine Korbflechterei nachgewiesen worden. Auch Holznägel und Schleifsteine fand man.

Experten betrachten Ralswiek als einen Fundort, der weit mehr birgt als bisher ans Tageslicht kam. Völlig unverständlich ist daher, warum eine neue Einfamilienhaus-Siedlung an der Stelle errichtet wurde, bei der man noch kurz zuvor slawische Großboote und ein Gräberfeld freigelegt hatte. Noch mehr erstaunt, daß die Boote wieder eingegraben wurden! Bei Gartenarbeiten, so heißt es, würden die Eigentümer der Häuser ständig auf neue Relikte des Handelsplatzes stoßen. In diesem Zusammenhang überrascht, wie klein das gegenwärtige Grabungsfeld der Archäologen angesichts der Größe der einstigen Siedlung ist.

Storchennest Im Gegensatz zum Handelsplatz der Wikinger an der Schlei war Ralswiek nicht durch einen Wall geschützt, dafür aber rundherum von Wasser umgeben. Er lag zwischen dem großen Jasmunder Bodden und einem Binnensee, der später verlandete. Die Form der Insel gab eine länglichere Anordnung der Siedlung vor als bei der Konkurrenz an der Schlei (siehe Plan).

Mit heutigen Maßstäben ist die Größe des Handelsplatzes freilich nicht zu messen. Kaum mehr als 50 aus Holz und Lehm bestehende Hütten mit Schilfrohrdächern standen hier verstreut zwischen den seichten Sandwällen. Ein paar eingezäunte Flächen für die Tiere umgaben die Behausungen. Rund 15 Bootsliegeplätze ragten wie die Zacken eines Kammes in den frühmittelalterlichen See hinein. Dazwischen lagen die Boote mit dem Steven zum Land.

Ralswiek war zwar der bedeutendste slawische Handelsplatz auf Rügen, aber bei weitem nicht so groß und einflußreich wie die sagenumwobene slawische Handelsstadt Vineta, die unter dem heutigen Wollin lag.

Annähernd 400 Grabhügel sind im Ralswieker Forst, den Schwarzen Bergen, zu finden, die meisten zugewachsen, aber als deutliche Erhebungen auf den Feldern oder an den Waldrändern zu erkennen. Oft wurden für diese Gräber der Slawenfürsten oder ihrer germanischen Vorgänger erhöhte Landschaftspunkte ausgewählt, damit der Herrscher auch nach seinem Tod einen schönen Ausblick hatte.

Besonders beeindruckend ist die bronzezeitliche Grabanlage von Woorke (knapp 5 km südwestlich), die aus 15 rund sieben Meter hohen Hügeln besteht. Sie ist mit Weißdorn, Buchen und Eichen bewachsen. Eine schöne Wanderstrecke (ab "Dat Eckhus") führt dorthin. Sie zweigt nach einem Kilometer links von der Straße zwischen Ralswiek und Gnies ab. Nach vier Kilometern gelangt man zunächst nach Patzig, einem Dorf mit sehenswerter Kirche. In Patzig setzt man den Weg für etwa 500 m nach Westen und schließlich zum Wanderziel nach Nordwesten fort. Der Rügen-Chronist Johann Jacob Grümbke schrieb über die Hünengräber auf den Worker Bergen im Jahre 1805: "Ich wäre geneigt, diese Hügel für Phantasiestücke zu halten, die die bildungsreiche Hand der allmächtigen Natur in einem Augenblick schöpferischer Laune hierher geworfen hätte, wenn nicht die Erfahrung lehrte, daß dergleichen Erdhaufen keine Naturspiele sind.

Zugewachsenes HünengrabAuch wer am Hafen nach Nordosten durch den Wald der Schwarzen Berge spaziert, stößt auf die Hünengräber, die mit ungeheurem Kraftaufwand aufgestellt wurden. Auf kleinen Baumstämmen rollten die Erbauer der Grabstätten die von Pferden gezogenen Findlinge zum Bestattungsort. Hier bewiesen sie dann mit Pferdestärken, Muskeln und Kopf, daß sie bereits etwas von Hebelwirkung verstanden.

Für die gewöhnlichen Sterblichen wurden keine Findlinge aufgetürmt. Man bettete sie auf den Gräberplätzen von Ralswiek zur letzten Ruhe. Aber auch ihnen wurden für das Leben im Jenseits Beigaben wie Waffen und Speisen mit ins Grab gelegt. Im kulturhistorischen Museum von Stralsund wird am Beispiel von Ralswiek der Zerfall der Stammesgesellschaft und die langsame Entwicklung eines frühstädtischen Gemeinwesens dargestellt. Mit der Eroberung der Tempelburg Arkona (1168) endete aber auch die Blüte dieses Seehandelsplatzes am Großen Jasmunder Bodden und der Bischof von Roskilde ordnete an, eine Propstei in Ralswiek zu errichten. Fortan machte die Kirche bis zur Reformation ihr Schnippchen mit dem Seehandel und wachte darüber, daß am Strand den heidnischen Gottheiten keine Menschenopfer mehr dargebracht wurden. Das alte Probsteigebäude ist erhalten geblieben.

Jahrhunderte lang residierten die von Barnekows in Ralswiek, bis einer der größten Feudalherren in der Geschichte der Insel Rügen das Rittergut 1891 für standesgemäß befand und kaufte. Der Graf Douglas ließ 1893 das heutige Schloß im Neorenaissance-Stil vom belgischen Architekten Henry von de Velde erbauen. Die Jugendstil-Inneneinrichtung ist größtenteils erhalten geblieben. Das alte Schloß der Barnekows steht noch unterhalb der neuen Schlosses.

Zu den DDR Zeiten war das Schloss ein Altenheim, heute ist es renoviert und der Kohlenhaufen auf der Terrasse ist verschwunden. Hier sitzen jetzt die Hotelgäste und trinken ihren Nachmittagskaffee mit Blick auf die Wiek.

Nicht weniger beeindruckend als das Schloß ist die Kulisse der Rügenfestspiele, die zuletzt 1980 und 1981 inszeniert wurden. 400.000 Menschen waren von dem Störtebeker-Spektakel 1959 bis 1961 in den Bann gezogen worden. Die letzte Neuinszenierung auf der Naturbühne sahen insgesamt rund 270.000 Zuschauer, was für die Faszination der Figur des Klaus Störtebeker spricht, oft zum "Robin Hood der See" hochstilisiert. Störtebeker hat zwar die Fantasie der Dichter beflügelt, aber es gibt kaum Überlieferungen über sein Leben und Wirken. Zu den wenigen Unterlagen zählt eine Hamburger Kämmereirechnung über die Kosten der Hinrichtung und der Beerdigung der Likedeeler sowie die Bemerkung in einer alten Chronik, daß die Likedeeler zu Vogelfreien erklärt wurden.

Likedeeler bedeutet Gleichteiler. Ihre Beute sollen sie nicht nur unter sich, sondern auch mit dem Volk geteilt haben. Wollen wir es glauben, denn die Geschichte eines Abenteurers zur See, der den Machthungrigen nahm und den Armen gab, ist zu schön, um nicht wahr zu sein. Und wer kennt die Sage um die Hinrichtung von Störtebeker in Hamburg nicht, der verlangte, alle Likedeeler überleben zu lassen, an denen er nach seiner Enthauptung noch vorbeilaufen könne. Dann soll er es geschafft haben, ohne Kopf ein paar Schritte an seinen Leuten vorbeizugehen und wäre wahrscheinlich noch weiter gelaufen, hätte man ihm nicht ein Bein gestellt.

Leibeigene, die nichts zu verlieren hatten, sollen viele der Likedeeler gewesen sein. Eine Weile spielten sie tatsächlich mit den Mächtigen Katz und Maus, um dann zwischen ihnen zerrieben zu werden. 1390 befindet sich der schwedische König Herzog Albrecht III. von Mecklenburg im Krieg mit der Dänenkönigin Margarethe und die Hanse versucht, mehr schlecht als recht, zu vermitteln. Abwechselnd bedienten sich die Parteien der Seeräuber (siehe Skanør) und hatten nach dem Krieg Schwierigkeiten, sie wieder loszuwerden. Störtebeker wird vom Jäger zum Gejagten, nachdem sich die Dänen und die Hanse wieder einig sind.

Die gotischen Häuserfassaden der Festspielfläche sind tatsächlich nur Fassade. Aus Stützpfeilern und Gerüsten besteht ihre Rückseite. Die Koggen am Steg zur Kulissenstadt sind umgebaute Kutter, was natürlich vergessen ist, wenn Goedeke Michel, Wigbold oder Störtebeker sich hier vor den Zuschauern ins Kampfgetümmel stürzen. Daß das selten geschieht, ist aus der Sicht des Sportschiffers nicht nur zu bedauern, da sich der kleine Ort dann in einen riesigen Parkplatz verwandelt.

Statt mit dem Kampfruf des Seebären Störtebeker kann man es mit dem Leitspruch auf der Holzkapelle von Ralswiek halten, der da lautet: "Die Liebe höret nimmer auf". Regelmäßig finden in dieser kleinen Kirche (am Ortseingang 500 m südöstlich des Hafens), die von Ihrer Bauart her eher nach Schweden oder Norwegen als an den Jasmunder Bodden gehört, Orgelkonzerte statt. Graf Douglas ließ die kleine gemütliche Holzkirche 1927 erbauen.

Ralswiek ist alles in allem eine ausgesprochen attraktive Reiseetappe. Eine heimatgeschichtliche Erinnerungsstätte wurde am Eingang zu den Kulissen der Störtebekerspiele eingerichtet.