
Leider fließt fast der gesamte Urlauber-Verkehr durch den größten und zentralsten Ort der Insel Poel. Außerdem legen die von Wismar kommenden Fahrgastschiffe hier an und für einige Fischkutter ist Kirchdorf Heimathafen. Trotz alledem geht es am Hafen relativ ruhig zu. Die Hauptverkehrsstraße ist weit genug entfernt und eine Sehenswürdigkeit steht gleich westlich des Hafens auf einer Anhöhe: die Inselkirche.
Das wuchtige Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert hat dem Dorf und der Bucht (Kirchsee) den Namen gegeben. Der Altar der Kirche ist einer von wenigen erhaltenen Schreinen an der deutschen Ostseeküste aus der Zeit vor der Reformation. Er stellt unter anderem die Krönung Marias dar, die von Johannes dem Täufer und dem Bischof Nikolaus flankiert ist, dem Schutzheiligen der Seefahrer. Außerdem ist die Poeler Kirche die einzige Dorfkirche in Mecklenburg, die von den Wallanlagen einer einstigen Burg umgeben ist.
Herzog Adolf Friedrich ließ sich 1610 in niederländischem Stil die Festungsanlage samt Schloß errichten. Der mit symmetrischen Seitenflügeln versehene Herrensitz war von zwei fünf Meter hohen Wällen umgeben, zwischen denen ein 15 Meter breiter Graben lag, der mit der Ostsee verbunden war. Die Verteidigungsanlage rüstete der Herzog mit allen Finessen damaliger Verteidigungskunst aus, wozu Palisaden, Zugbrücken und Fallgatter gehörten. Außerdem wurden die Bauern gezwungen Wehrdienst zu leisten, wodurch die Festung ständig mit 30 Mann besetzt war.
Die übrigen Bauern bewachten im Schichtdienst die Insel. Trotzdem mußte die Festung im 30jährigen Krieg den kaiserlichen Truppen unter Wallenstein überlassen werden und verfiel danach. Nur die Wälle (Freilichtbühne) und die Kirche mit dem romanischen Turm sind geblieben.
Im Westfälischen Frieden wurde die Insel nach dem 30jährigen Krieg wie auch Wismar den Schweden zugesprochen. Die Schweden verpfändeten Poel 1803 für 100 Jahre an die Mecklenburger, bevor sie die Insel 1903 endgültig wieder zurückgaben.
Kirchdorf in der Mitte von Poel ist idealer Ausgangspunkt für Ausflüge in alle Himmelsrichtungen, etwa zu den beiden Leuchttürmen in Timmendorf und Gollwitz, dem frühgeschichtlichen Grab bei Brandenhusen oder zum 26 m hohen Kickelsberg (siehe Inselplan). Neben einer Heimatstube bietet der Ort mehrere Gaststätten und diverse Versorgungsmöglichkeiten wie zum Beispiel eine Arztpraxis. Beim Bäcker am nördlichen Ende der Wismarschen Straße informiert ein Dorfplan über die Einrichtungen.
Das Restaurant "Hafenpavillon" serviert unter anderem Fischgerichte und die Köche an Bord können sich in "Krönings Fischbaud" oder bei den Fischern mit frischem Fisch versorgen. Um Fisch geht es auch auf dem Betriebsgelände, das östlich des Hafens, auf der anderen Seite der Bucht, zu sehen ist. Hier werden Forellen gezüchtet.
