
Dieser Hafen war noch vor wenigen Jahren bei den Sportschiffern so beliebt, daß man sogar einen Signalmast setzte, der meistens anzeigte, daß der Hafen besetzt war. Um sich einen Platz zu sichern, mußte man häufig schon am frühen Nachmittag zur Stelle sein. Nach dem Bau von Ferienwohnungen direkt auf dem Kai und der Anhebung der Hafengebühren war der Signalmast überflüssig. Aus dem gemütlichen Fischereihafen war ein eher mondäner Yachthafen geworden, der nicht mehr die Anziehungskraft des alten Hafens besaß. Inzwischen, so scheint es, haben sich viele Sportschiffer mit dem neuen Hafenbild arrangiert. Und weil die Yachtsportler mittlerweile auch in anderen Marinas kräftiger zur Kasse gebeten werden, fallen die Liegegebühren nicht mehr so stark aus dem Rahmen. Hinzu kommt, daß viele Argumente weiter für Klintholm sprechen: Zum Beispiel gilt es als idealer Ausgangspunkt für die Fahrt nach Bornholm und bietet hervorragende Ausflugsmöglichkeiten. Für sich gesehen ist das neue Klintholm keineswegs ein Musterbeispiel an Häßlichkeit, aber die gemütliche Atmosphäre der Zeit vor dem Umbau ist dahin. Herausragendes Ausflugsziel sind natürlich die Kreidefelsen von Møn (siehe Plan). Høje Møn entstand während der letzten Eiszeit. In den Buchten von Hjelm und Fakse lagen zwei große Gletscher, die zwischen sich Kreide in großen Mengen vom Untergrund heraufpressten. Die Kreide hatte sich bereits vor 75 Millionen Jahren als Kalkschlamm auf dem damals 200 Meter tiefen Grund des Meeres abgelagert. Es dauerte weitere Millionen von Jahren bis der Schlamm zur Kreide wurde und sich bei Erdkrustenbewegungen über die Meerestiere legte, die heute als Versteinerungen gefunden werden. Weitere Bewegungen der Erdkruste hoben die Kreide so hoch, daß die eiszeitlichen Gletscher sie später erreichen konnten. Die Kreideflächen sind jetzt als längliche Hügel und Täler in der Landschaft hinter den Kreidefelsen zu sehen, und im Felsenprofil selbst sind die gefalteten Kreideschichten sehr deutlich zu erkennen. Høje Møn ist an der höchsten Stelle 128 Meter hoch. Besonders beeindruckend ist das Naturerlebnis dann, wenn die strahlende Sonne die Felsen an ihrer Abbruchkante weiß erscheinen läßt (Fernglas nicht vergessen!). Bei Store Klint (Großer Felsen) sind geologische und archäologische Funde aus dem Gebiet ausgestellt. Es handelt sich dabei hauptsächlich um Versteinerungen von Schalen und Skeletteilchen der Organismen der Urmeere, beispielsweise von Tintenfischen, Seeigeln und Muscheln.
Die sieben Kilometer zu dieser Stelle auf den Kreidefelsen kann man vom Hafen aus mit dem Bus zurücklegen. Store Klint ist mit einem Hotel, einem Restaurant, einem Kiosk und einem großen Parkplatz allerdings ein von Touristen aus ganz Europa aufgesuchter Ort. In der Hochsaison kann der starke Betrieb das Naturerlebnis daher etwas trüben. Aber das Gebiet ist groß genug, um dem Besucherstrom auszuweichen (siehe Plan). Es gibt eine ganze Reihe von Wegen die abseits dieses Sammelpunktes zum Fuß der Kreidefelsen führen. Allerdings sollte man, bevor man sich an den Ab- und den Aufstieg macht, gut gefrühstückt haben, denn die steilen Wege sind kraftraubend. Es ist empfehlenswert, für den Ausflug zu den Kreidefelsen einen ganzen Tag einzuplanen und Proviant einzupacken. Auch der Wald auf der Anhöhe ist einen Ausflug wert. Mehrere Grabhügel erinnern hier an die Vorzeit, und auf der Spitze des Timmesø Berges befinden sich Spuren einer Wikingerburg.
Zeit sollte man sich auch für den Besuch von Liselund nehmen, neun Kilometer nordöstlich des Hafens von Klintholm gelegen. Der Romantiker Bosc de la Calmette, ein Kammerherr aus den Niederlanden, erwarb diesen Landstrich um 1800 von der dänischen Krone, um seinen Traum von einem Naturidyll zu verwirklichen.
Der über dem Meer liegende Ort an der Felsenküste erfüllte mit seinen Schluchten und bewaldeten Hügeln alle Bedingungen, die man in der Zeit um 1800 an ein solches Idyll stellte. Dabei ließ sich der Kammerherr von Marie Antoinettes Bauernidyll bei Versailles und englischen Gartenanlagen inspirieren. Ein strohgedecktes Miniaturschloß, eine norwegische Hütte, das "Schweizer Haus" und ein chinesischer Gartenpavillon wurden in dem Park errichtet. Diese romantische Welt zog viele Künstler an. So hat Hans Christian Andersen hier sein Märchen "Das Feuerzeug" geschrieben. Der Park mit seinen Häusern zählt aber zu den beeindruckendsten Sehenswürdigkeiten auf der Insel Møn. Außerdem ist er ein einzigartiges Beispiel für die Bau und Gartenkunst aus der Zeit um 1800.
Auf dem Weg vom Hafen nach Liselund kommt man nach etwa sieben Kilometern durch das Dorf Sømarke. Am Ortsrand stehen hier ein kleines und ein großes Hünengrab nebeneinander. Besonders gut kann man hier auf der Oberseite des großen Decksteines fast 200 schalenförmige Vertiefungen sehen. Das Hineinhauen dieser Schälchen in den Stein gehörte vermutlich zur Zeremonie eines Fruchtbarkeitskultes.
Nur zwei Kilometer beträgt die Entfernung zum Feuchtgebiet von "Busemarke", das sich westlich und nördlich des Hafens erstreckt. Hier kann man das Treiben der Vögel von einem Hochsitz aus beobachten.
Das Gut Klintholm ist etwa vier Kilometer vom Hafen entfernt in Richtung Nordost zu finden. Es wurde um 1830 erbaut und später in niederländischem Stil restauriert.
Für das leibliche Wohl ist rund um den Hafen von Klintholm gesorgt. Mehrere Restaurants und Imbißstuben säumen die einzige Straße des alten Ortsteiles. Auch eine Diskothek, ein Minigolfplatz und eine Bank sind vorhanden. Direkt am Hafen steht das bei den Sportschiffern beliebte Restaurant "Aalekroen". Wenige Schritte muß zurücklegen, wer die Cafeteria und das Speiserestaurant "Hy Hefadet" aufsucht. Eine Räucherei nordöstlich des Hafens wirbt mit "Delikate røgerivarer og fiskeforretning".
